Deutsche Bank nach Gewinnsprung vor harten Einschnitten

Nach einem Gewinnsprung im zweiten Quartal stimmt der neue Deutsche-Bank-Co-Chef John Cryan die Mitarbeiter des Dax-Konzerns auf harte Einschnitte ein.

«Unsere Hauptherausforderung ist nicht strategischer Natur, wir haben ein strukturelles Kostenproblem, das ist offensichtlich», sagte der Brite in einer Telefonkonferenz. Die Kosten seien «einfach inakzeptabel» hoch.

Der Vorstand werde noch im Laufe dieses Jahres «eine Reihe wichtiger Veränderungen vornehmen», kündigte der seit Juli amtierende Manager in einem Schreiben an die Belegschaft an. «Veränderungen können belastend sein, aber den Status quo beizubehalten, ist keine Option.»

Cryan bekräftigte seine Absicht, im Oktober Details zur Strategie bis 2020 vorzulegen. Der Ausgabe neuer Aktien erteilte er vorerst eine Absage: «Eine weitere Kapitalerhöhung wird unsere Kernprobleme nicht lösen.»

Im Tagesgeschäft arbeitete sich Deutschlands größtes Geldhaus weiter nach oben. Der Vorsteuergewinn kletterte im zweiten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel auf 1,2 Milliarden Euro. Dabei profitierte die Bank vom aktiven Handel an den Finanzmärkten und von günstigen Wechselkursen.

Die Erträge stiegen vor allem dank eines starken Kapitalmarktgeschäfts um 17 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Der Überschuss hat sich auf 818 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Vor einem Jahr hatte eine außergewöhnlich hohe Steuerlast die Bank belastet.

«Das solide Ertragswachstum unterstreicht die grundlegende Stärke unseres Geschäfts», bilanzierte Cryan. Allerdings bremsten etwa anhaltend hohe Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten den Konzern. Diese schlugen im zweiten Quartal mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche - fast dreimal so viel wie vor einem Jahr.

Insgesamt hat die Bank für juristische Altlasten nun 3,8 Milliarden Euro reserviert. Aus Sicht des neuen Finanzvorstands Marcus Schenck werden Rechtsstreitigkeiten absehbar eine der Hauptherausforderungen für die Bank bleiben.

Die Gesamtkosten kletterten in dem Drei-Monats-Zeitraum um 17 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Damit lag die Aufwand-Ertrags-Quote bei 85 Prozent. Die Bank gab zuletzt also für jeden eingenommenen Euro 85 Cent wieder aus. Das gilt im internationalen Vergleich als zu hoch.

Immer wieder hatten Fehleinschätzungen zu den Kapitalvorgaben der Aufsichtsbehörden sowie Milliardenstrafen wegen zahlreicher Skandale Löcher in die Bilanz gerissen und das Image der Deutschen Bank ramponiert. Die seit Juni 2012 amtierende Doppelspitze Anshu Jain/Jürgen Fitschen geriet dadurch immer mehr in die Kritik.

Bei der Hauptversammlung im Mai hatten die Aktionäre das Duo abgestraft. Im Juni stellte der Aufsichtsrat dann die Weichen für einen Neuanfang an der Konzernspitze. Cryan löste Jain Anfang Juli ab. Nach der Hauptversammlung Mitte Mai 2016 soll der Brite Deutschlands größtes Geldinstitut allein führen.