Deutsche in Kauflaune - Wirtschaft kommt in Fahrt

Die deutsche Wirtschaft kommt nach dem mauen Jahresstart wieder in Schwung. Die Deutschen haben mehr Geld in der Tasche - das lässt die Konsumlaune auf den höchsten Stand seit fast sechs Jahren steigen.

Deutsche in Kauflaune - Wirtschaft kommt in Fahrt
Rolf Vennenbernd Deutsche in Kauflaune - Wirtschaft kommt in Fahrt

Der stabile Arbeitsmarkt und die guten Tarifabschlüsse der letzten Zeit stimmten die Bürger optimistisch, teilte das Marktforschungsunternehmen GfK am Mittwoch in Nürnberg mit. Insgesamt kletterte der Konsumklimaindex für Juli von 6,5 auf 6,8 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit September 2007.
Aber auch die Industrie produziert wieder mehr.

Das Ifo-Institut rechnet in den kommenden Monaten mit einer deutlichen Konjunkturbelebung. «In den Frühjahrsmonaten hat die deutsche Konjunktur sehr deutlich Fahrt aufgenommen», sagte Ifo-Konjunktur-Chef Kai Carstensen in München. Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die Wirtschaft hierzulande im zweiten Vierteljahr um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. «Die Industrie weitet ihre Produktion bereits seit Februar merklich aus», erklärte das DIW.

Zwar korrigierte das Ifo-Institut angesichts des eher mauen Jahresstarts seine Wachstumsprognose für 2013 leicht von 0,7 auf 0,6 Prozent nach unten. Für 2014 erwarten die Forscher aber ein deutliches Wachstum von 1,9 Prozent. Deutschland wird wohl weiter die Konjunkturlokomotive Europas bleiben.

Die Zuversicht der Bürger in die Konjunktur steigt laut GfK. Allerdings macht die schwierige wirtschaftliche Lage in vielen anderen Ländern durchaus Sorgen. Für die Exportnation Deutschland bedeute das ein langsameres Wachstum, sagte Bürkl. «Das ist eine schleppende oder holprige Erholung, die sich hier abzeichnet.» Die Neigung der Deutschen zum Geldausgeben bleibe dennoch hoch. «Die Verbraucher halten es derzeit überhaupt nicht für attraktiv, Geld auf die hohe Kante zu legen, weil die Zinsen historisch niedrig sind».

Höhere Löhne nach den jüngsten Tarifrunden sorgten zudem für Planungssicherheit, die die Bürger für größere Anschaffungen benötigten, erklärte die GfK. Das Geschäft mit Immobilien profitiere zusätzlich von besonders günstigen Krediten und Baufinanzierungen. Die gute Stimmung der Verbraucher hatte Deutschland in den vergangenen Monaten vor Schlimmeren bewahrt. Vor allem der private Konsum verhinderte ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal. Inzwischen ist auch die Industrie wieder im Aufwind. Vor allem der Export bringt die Wirtschaft wieder auf Trab, getrieben von der wachsenden Nachfrage aus Asien und den USA.

Die Stärkung der Konsumfreude der Deutschen ist nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) entscheidend für einen neuen Aufschwung. Der Großteil des Wirtschaftswachstums hänge derzeit von der Binnennachfrage ab: «Wir müssen alles dafür tun, ein vernünftiges Konsumklima in Deutschland zu schaffen», sagte Merkel bei der Jahrestagung des Markenverbandes in Berlin. Mit einer besseren Binnennachfrage leiste Deutschland auch einen Beitrag für mehr Wachstum in Europa, weil mehr von EU-Partnern importiert werde.

Im Ende April vorgelegten Frühjahrsgutachten rechnen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute noch mit einem Plus von 0,7 Prozent - und sind damit zuversichtlicher als die Bundesregierung, die für das laufende Jahr von einem Zuwachs von 0,5 Prozent ausgeht. Die GfK rechnet durch den Wiederaufbau und die Reparaturen nach dem Hochwasser in Teilen Deutschlands mit weiteren Impulsen.

Milliarden von Versicherungen und Fluthilfe-Fonds würden wie ein kleines Konjunkturpaket wirken, sagte Bürkl. Bremsen dürften die Schäden die Wirtschaft jedenfalls nicht. Das Ifo-Institut geht davon aus, dass die Folgen regional begrenzt und größere Unternehmen kaum betroffen sind.

Außerhalb Deutschlands sieht es hingegen weniger rosig aus. Der Euroraum wird dem Ifo zufolge in diesem Jahr in der Rezession bleiben und um 0,6 Prozent schrumpfen, 2014 dürfte es aber um 0,7 Prozent nach oben gehen - dank des Wachstums in Deutschland. Ohne die Bundesrepublik werde die Wirtschaft der Eurozone 2014 nur um 0,2 Prozent zulegen. «Das ist noch keine Erholung, aber es ist auch keine Rezession mehr», sagte Carstensen.