Deutsche Pop-Szene feiert ihre Lässigkeit

Wenn mehr Stars in Jeans und Turnschuhen anrücken als in Abendkleid und Smoking, ist zu ahnen: Hier geht es eher um ein Wiedersehen unter Musiker-Freunden als um Sehen und Gesehen werden.

Deutsche Pop-Szene feiert ihre Lässigkeit
Rolf Vennenbernd Deutsche Pop-Szene feiert ihre Lässigkeit

Auf der Verleihung des Publikumspreises «1Live-Krone» in der Bochumer Jahrhunderthalle feiert Deutschlands Musik-Szene ausgelassen ihre eigene Lässigkeit.

«Das fetzt schon, wenn man die anderen wiedersieht. Das ist echtes Pausenhof-Feeling», sagt Clueso am roten Teppich. Der Singer-Songwriter muss es wissen, schließlich hat er bereits etliche Male mitgefeiert. Krönung des Abends für ihn ganz sicherlich: Die Auszeichnung in der Königsdisziplin. Er ist von den Hörern des Senders «1Live» zum beliebtesten Künstler gewählt worden. Mit seiner fünften Glitzerkugel will er, das hat er seiner Band versprochen, Kegeln gehen.

Schlag auf Schlag verteilen die Moderatoren Jeannine Michaelsen und Simon Beeck den «vermutlich schönsten Radiopreis der Welt», wie sie sagen - nicht ohne zu betonen, dass die Hörer ihres Senders mehr als eine Million Stimmen abgegeben haben. Beliebteste Band: Kraftklub. Beste Internetvideo-Performance: Die YouTube-Stars ApeCrime. Von der Redaktion wird Bülent Ceylan die «Comedy-Krone» aufgesetzt.

Cro, der Rapper mit der Panda-Maske, hat glücklicherweise gleich einen Rucksack mit auf die Bühne gebracht. Die zwei Kronen («Bestes Album», «Beste Single»), die ihm seine aktuellen Songs eingebracht haben, kann er darin nach Hause tragen. Dass deutscher Hip-Hop gute Karten bei den Fans hat, zeigt sich auch im Triumph von Marteria als «Bester Live-Act». Um dem derzeitigen Erfolg der Szene gerecht zu werden, bekommen die Rapper der Republik in diesem Jahr erstmals eine eigene Kategorie. Diese kann Kollegah für sich entscheiden.

Dass die beiden Erfolgsmoderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf («Circus Halligalli», «Joko und Klaas - Das Duell um die Welt»)zur Abwechslung mal erleben, dass deutsche Award-Shows nicht langweilig sein müssen, verdanken sie einer Redaktionsentscheidung: Die Fernsehmacher erhalten den diesjährigen Sonderpreis für «akute Großartigkeit in diversen Bereichen», wie Jeannine Michaelsen es nennt.

Gemeint sei in diesem Fall ihre Art, mit Tief- und Schwachsinn das Fernsehen zu revolutionieren. «Was für ein lustiger Abend», lobt Heufer-Umlauf mit Krone in der Hand. «Es ist wirklich das erste Mal, dass ich bei einer Award-Show Spaß habe», fügt sein Kollege Winterscheidt hinzu.

Dabei kommt er erst noch, der ganz große Spaß: Der heißt After-Show-Party und ist der Grund, warum auch die Verlierer des Abends ordentlich etwas zu feiern haben. WDR-Intendant Tom Buhrow sagte schon vor Beginn der Show, er sei stolz, dass «1Live» in den vergangenen 15 Jahren eine Veranstaltung etabliert habe, die von der ganzen Musikbranche im Land respektiert werde wie keine andere. «Und als Mensch Tom Buhrow füge ich hinzu: Es ist eine super-geile Party».