Deutsche setzen auf Bankeinlagen und Immobilien

Experten warnen seit Monaten: Die Inflation frisst die niedrigen Zinsen auf - wer sein Geld in sichere Spareinlagen steckt, verliert real. Trotzdem setzen die Privathaushalte in Deutschland auf Bankeinlagen, wie die Deutsche Bundesbank am Montag in Frankfurt mitteilte.

Aktien und festverzinsliche Wertpapiere wurden hingegen im zweiten Quartal im Saldo verkauft.

Insgesamt kletterte das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen zum Ende des zweiten Quartals gegenüber dem Vorquartal um 23 Milliarden Euro oder 0,5 Prozent auf den Rekordwert von 5 027 Milliarden Euro.

Angesichts der historisch niedrigen Zinsen werden in Deutschland auch wieder mehr Kredite aufgenommen. Nach Angaben der Bundesbank lag der Wert im zweiten Quartal bei sechs Milliarden Euro, genutzt wurden die Kredite vor allem für den Wohnungsbau. Weil Immobilien derzeit extrem günstig finanziert werden können, ist die Nachfrage zuletzt kräftig gestiegen - auch, weil die eigenen vier Wände im Alter mietfreies Wohnen versprechen.

Das hat auch das Preisniveau in die Höhe getrieben. Doch eine Wohnimmobilie ist nicht mehr immer die beste Wahl für die Altersvorsorge, wie eine am Montag vorgestellte Untersuchung des Beratungsunternehmens Empirica ergab. Wenn das Eigenheim auf lange Sicht etwas abwerfen soll, muss es demnach in der richtigen Region liegen. Manchmal komme es sogar auf den Stadtteil an. «Man muss höllisch aufpassen, wo man investiert», sagte der Ko-Autor der Studie, Ulrich Pfeiffer, in Berlin.

Denn in Deutschland werde die Nachfrage nach Wohnungen von 2020 an insgesamt sinken. In einigen Ballungszentren wachse die Zahl der Privathaushalte aber weiter. Der Prognose zufolge werden dort künftig eher Ein- und Zweifamilienhäuser als Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gesucht. Auftraggeber der Empirica-Studie ist das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA), das von der Deutschen Bank und der Zurich Gruppe Deutschland getragen wird.

Nach Angaben der Bundesbank vertrauten die Menschen in Deutschland im zweiten Quartal vor allem auf sichere Bankeinlagen und Versicherungen. In Sichteinlagen steckten sie 30 Milliarden Euro, die Ansprüche gegenüber Versicherungen stiegen um knapp 17 Milliarden Euro.

Hingegen trennten sich die Menschen hierzulande im Saldo von festverzinsliche Wertpapieren und Aktien in Milliardenhöhe - obwohl die Kurse an den Börsen von kurzfristigen Rückschlägen abgesehen seit Anfang 2012 in die Höhe schießen. Die Experten der Notenbank sehen in der Umschichtung hin zu Bankeinlagen einen Beleg für eine «gewisse Risikoaversion»: «Dies dürfte unter anderem mit der im Berichtszeitraum besonders ausgeprägten Unsicherheit über den weiteren Kurs der US-amerikanischen Geldpolitik zusammenhängen, welche die Volatilität auf den Kapitalmärkten und damit die Unsicherheit der Anleger zusätzlich erhöht hat.»

Die Vorliebe für Sicherheit drosselte auch das Tempo der Vermögensbildung: Im Auftaktquartal war das Geldvermögen noch um 1,1 Prozent zur Vorperiode gestiegen.