Deutsche Springreiter vergeben Gold und holen Silber

Die packende Aufholjagd reichte nicht für Gold - aber immerhin für Silber: Die deutschen Springreiter haben bei der Europameisterschaft den erhofften Sieg ganz knapp verpasst.

Die Mannschaft von Bundestrainer Otto Becker musste sich in Aachen vor 35 000 Zuschauern mit Platz zwei zufriedengeben und den Niederländern zur Goldmedaille gratulieren. «Ich will das nicht schönreden», kommentierte Ludger Beerbaum den zweiten Platz. «Es ist kein Grund in den Boden zu versinken», sagte der Routinier, bekannte aber: «Es tut schon ein bisschen weh.» Er selbst hatte den ersten Platz bei der Heim-EM als Ziel ausgegeben und er vergab die Chance auf Gold, weil er einen Abwurf hatte.

Einen Abwurf musste auch Schlussreiter Daniel Deußer mit seinem Cornet D'Amour verbuchen. Wäre er fehlerfrei gewesen, hätte Deutschland Gold gewonnen. «Die Holländer sind einfach sehr, sehr stark», lobte Christian Ahlmann. Bereits vor einem Jahr hatten die Niederländer Gold bei der WM in Caen gewonnen. Die Schweiz schob sich noch auf den Bronzerang, Frankreich fiel hingegen auf Platz fünf zurück.

In der Einzelwertung fiel Beerbaum mit der Stute Chiara vom zweiten auf den siebten Platz zurück. Der 51 Jahre alte Reiter aus Riesenbeck benötigt eine Aufholjagd, um am Sonntag zum dritten Mal Einzel-Europameister zu werden. Es führt der Spanier Sergio Alvarez Moya mit Carlo vor dem Ukrainer Carlos Rivetti mit Vivant.

Einen starken Auftakt schaffte Meredith Michaels-Beerbaum. Im Sattel von Fibonacci ritt die 45-Jährige aus Thedinghausen sicher über den 580 Meter langen Parcours. Auch am Wassergraben, wo sie am Vortag vier Strafpunkte gesammelt hatte, sprang Michaels-Beerbaum mit ihrem zehn Jahre alten Wallach souverän.

«Ich habe gewusst, das es gestern ein Reiterfehler am Wasser war - ich habe mich geärgert», sagte die Reiterin. Aber sie habe «das akzeptiert und meinen Kopf klar gemacht.» Daher sei es kein Problem gewesen. Die dreimalige Weltcup-Siegerin gab allerdings auch zu: «Ich war sicher etwas nervös, jetzt bin ich froh und erleichtert.»

Genauso perfekt sah der Ritt von Christian Ahlmann mit Taloubet aus. Souverän lenkte der Doppel-Europameister von 2003 seinen Hengst über die 16 Hindernisse und machte - im Gegensatz zum Donnerstag - keinen Fehler.

«Die Planke war eine Fehlerquelle, aber es ging gut», kommentierte der 40-Jährige aus Marl, der statt des angeschlagenen Codex one, mit dem er ursprünglich die EM geplant hatte, mit Taloubet ritt. «Im Laufe des Parcours habe ich auf die Tube gedrückt, damit ich in der Zeit bleibe - das war bitter notwendig.»

Ludger Beerbaum hätte Gold perfekt machen können, doch der 51-Jährige kassierte mit seiner Stute Chiara als vorletzter deutscher Starter einen Abwurf - anders als bei den ersten beiden Teilprüfungen. Beerbaum, der bereits sechs goldene EM-Medaillen daheim in Riesenbeck hat, lenkte seine zwölfjährige Stute zunächst sicher über den Rasen des größten Reitstadions der Welt, patzte aber in der Dreifachen Kombination. «Am Ende war ich zu viel in der Vorwärtsbewegung», kommentierte Beerbaum. Nach der Planke hatte er «einen inneren Energieabfall», wie er es selbst nannte.

Es scheint, als ob Beerbaums Ruck-Rede zumindest ein bisschen geholfen hat - auch wenn es nicht für Gold reichte. Nach einer langen Zeit ohne deutsche Siege in Nationenpreisen hatte der 51-Jährige vor ein paar Wochen in Mannheim gefordert: «Es muss jetzt mal ein Ruck durch uns gehen. Wir müssen uns zusammenreißen, um bei der Euro vorne zu stehen.»