Deutsche Wirtschaft wächst kräftig - Inlandskonsum stützt Konjunktur

Der Konjunkturmotor läuft wieder auf Hochtouren: Nach einem schwachen Winterhalbjahr hat die deutsche Wirtschaft im Frühjahr kräftig an Schwung gewonnen.

Getrieben vom privaten und öffentlichen Konsum sowie Nachholeffekten am Bau wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2013 zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Das ist das kräftigste Wachstum seit Anfang 2012. Experten hatten ein etwas kleineres Plus von 0,6 Prozent erwartet.

«Die deutsche Wirtschaft hat ein beeindruckendes Comeback hingelegt», sagte Unicredit-Ökonom Alexander Koch. Damit ist Europas größte Volkswirtschaft auch wieder die Konjunkturlokomotive im Euroraum.

Doch auch die französische Wirtschaft ist im zweiten Quartal spürbar gewachsen und hat die Rezession hinter sich gelassen. Von April bis Juni legte Frankreichs Bruttoinlandsprodukt (BIP) überraschend kräftig um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie die Statistikbehörde Insee in Paris mitteilte. Deutschland und Frankreich zusammen erwirtschaften fast die Hälfte der Wirtschaftsleistung der Eurozone.

Positive Impulse für die deutsche Wirtschaft kamen im zweiten Quartal vor allem aus dem Inland: Sowohl von den privaten als auch von den öffentlichen Haushalten wurde mehr konsumiert als im Vorquartal. Wie erwartet zogen zudem die Investitionen deutlich an. Das dürfte insbesondere an Nachholeffekten liegen: In dem ungewöhnlich langen und kalten Winter musste ein großer Teil der Bauproduktion zurückgestellt werden.

Ob die Unternehmen auch wieder mehr in neue Maschinen und Ausrüstungen investiert haben, geht aus den Zahlen nicht hervor und wird von Experten eher bezweifelt. Details legt das Bundesamt erst am 23. August vor. Zuletzt hatten die Unternehmer seit dem Schlussquartal 2011 ihre Investitionen auf Eis gelegt, weil sie durch die europäische Staatsschuldenkrise verunsichert waren.

Der Chefvolkswirt des Maschinenbauverbands VDMA, Ralph Wiechers, warnte kürzlich: «In Deutschland wird zu wenig investiert.» Die Allianz bezeichnet die schwache Investitionstätigkeit als «Sorgenkind der deutschen Binnenkonjunktur», und der DIW sieht im Mangel an Investitionen eine wesentliche Konjunkturbremse. «Die Unternehmen nutzen das günstige Finanzierungsumfeld bislang kaum.

Sie halten sich mit ihren Ausgaben angesichts der nachhaltig getrübten Absatzperspektiven und der Unsicherheit bezüglich der Krise im Euroraum zurück», sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.

Doch auch der Außenhandel trug zum Wachstum bei: Die Exporte stiegen im Vorquartalsvergleich etwas stärker als die Importe. Die deutschen Exporteure hätten damit die Delle aus dem Winterhalbjahr ausgebügelt, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Das Statistische Bundesamt korrigierte am Mittwoch auch die Entwicklung im Winterhalbjahr erneut. Demnach hatte die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2013 stagniert, bisher waren die Statistiker von einem Mini-Plus von 0,1 Prozent ausgegangen. Hingegen war der Absturz Ende 2012 mit minus 0,5 Prozent nicht ganz so dramatisch wie bisher angenommen (minus 0,7 Prozent).

Trotz des schwachen Winters ist die Wirtschaftsleistung auch im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: Das preisbereinigte BIP war im zweiten Quartal 2013 um 0,9 Prozent höher als im zweiten Quartal 2012.