Deutsche zu fünf Jahren Haft wegen Pyramiden-Diebstahls verurteilt

In Ägypten sind drei Deutsche wegen des Diebstahls von Gesteinsproben aus der weltgrößten Pyramide zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Um einer Verhaftung zu entgehen, waren die drei bei dem Prozess in Giseh nicht anwesend.

Ihre sechs einheimischen Helfer, die am Dienstagabend dieselben Strafen erhalten hatten, müssten aus der Untersuchungshaft direkt ins Gefängnis, teilte einer der Zeugen des Verfahrens, Osama Karar, der dpa am Mittwoch mit.

Einer der Angeklagten, der Chemnitzer Hobby-Archäologe Dominique Görlitz, bezeichnete das Urteil in einer Stellungnahme als «einen Schock und nicht nachvollziehbar». Er habe gegenüber den ägyptischen Behörden alle Fakten offengelegt und beteuert, nicht illegal gehandelt zu haben. Für ihn und den Buchautor Stefan Erdmann könnte sich das Urteil auch auf ein laufendes Verfahren in der Heimat auswirken.

Die beiden waren im April 2013 mit einem Kollegen nach Ägypten gereist, hatten die Gesteinsproben entnommen und diese im Anschluss zu Untersuchungen in die Bundesrepublik gebracht. Die ägyptische Staatsanwaltschaft bezeichnete den Vorgang als Diebstahl, weil ihnen eine Genehmigung fehlte. Die Angeklagten behaupteten, Erlaubnisse eingeholt zu haben.

Auf Bitten ägyptischer Behörden hatte die Staatsanwaltschaft Chemnitz im Juni ebenfalls einen Strafbefehl über mehrere Tausend Euro wegen Diebstahls und Sachbeschädigung beantragt. Laut Amtsgericht, das über das Verfahren entscheidet, hat Görlitz Widerspruch eingelegt. Voraussichtlich im Februar 2015 soll über den Fall verhandelt werden. «Welchen Einfluss das Urteil hat, wird der Richter nun prüfen müssen», erklärte ein Sprecher des Chemnitzer Amtsgerichts am Mittwoch.

Zeuge Karar hält das Urteil in Giseh für «ein politisches Exempel». Jeder der Angeklagten habe fünf Jahre Haft bekommen, «egal ob es sich um einen der Deutschen oder zum Beispiel den ägyptischen Reiseführer oder den Wachmann handelt». Karar, der bei den Pyramiden als Reiseführer arbeitet und sich im Altertumsschutz engagiert, sagte, die Verteidigung bereite bereits eine Revision des Falles vor.

Die Anklage habe den Verurteilten vor allem die Beschädigung einer Kartusche im Inneren der Cheops-Pyramide vorgeworfen. «Aber das ist eine Lüge», sagt Karas. Es gebe Videodokumentationen aus dem Jahre 2010, die die Schäden bereits zeigen. Die Deutschen sollen ihre Proben im Milligrammbereich jedoch erst 2013 entnommen haben.

Die Cheops-Pyramide ist mit knapp 140 Metern die größte Pyramide der Welt. Sie wurde vor mehr als 4500 Jahren als Königsgrabmal erbaut und gilt als eines der Sieben Weltwunder. Im September hatten deutsche Behörden die entwendeten Proben dem ägyptischen Ministerium für Altertumsgüter zurückgegeben.