Deutscher Aktienmarkt bekommt Atempause

Nach teils deutlichen Verlusten am Aktienmarkt in dieser Woche können die Investoren zunächst durchschnaufen.

Im frühen Frankfurt Handel gewann der Dax am Freitag 0,82 Prozent auf 8652,94 Punkte, nachdem der deutsche Leitindex tags zuvor wegen anhaltender Konjunktursorgen noch zeitweise kräftig im Minus gelegen hatte.

Ein Börsianer sprach von ersten Ansätzen einer Stabilisierung, die sich bereits am Vorabend in den USA angedeutet habe. Der MDax der mittelgroßen börsennotierten Unternehmen gewann 1,12 Prozent auf 14 896,54 Punkte und der TecDax der Technologiefirmen stieg um 1,89 Prozent auf 1133,96 Punkte. Der wichtigste europäische Index, der EuroStoxx 50, gewann ein knappes Prozent hinzu.

Hintergrund des Optimismus sind zum einen die Hoffnungen, dass das Anleihekaufprogramm der US-Notenbank fortgesetzt werden könnte. Ursprünglich sollte die milliardenschwere Konjunkturhilfe im Oktober auslaufen. Zum anderen war die US-Industrieproduktion im September deutlicher als erwartet gestiegen und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren auf den tiefsten Stand seit mehr als 14 Jahren gesunken.

Dies sollte die jüngsten Konjunktursorgen mildern und sei ein «hilfreicher Hinweis, dass der Himmel uns nicht auf den Kopf fällt», schrieb Ökonom Paul Ashworth von Capital Economics.

Mit Blick auf am Nachmittag anstehende US-Konjunkturdaten rechnet Analyst Dirk Gojny damit, dass die Aktivität auf dem Immobilienmarkt zugenommen hat und auch die Stimmung der US-Konsumenten «weiterhin sehr gut» sein sollte.

«Außerdem wird man nach Mailand schauen und auf Fortschritte bei der Bewältigung der Ukraine-Krise hoffen», sagte er. In der Stadt treffen sich Kreml-Chef Wladimir Putin, sein ukrainischer Amtskollege Petro Poroschenko und führende EU-Politiker um Bundeskanzlerin Angela Merkel, um eine Lösung für die Ukraine zu finden. «Im Vorfeld wurde von russischer Seite zwar gepoltert, das bedeutet aber noch lange nicht, dass man sich nicht aufeinander zubewegt.»

In dem freundlichen Gesamtmarkt gab es nur wenige Verlierer. Unter ihnen befanden sich die Aktien von Adidas mit minus 0,76 Prozent. Ein Analyst hatte sich negativ zu dem deutschen Sportartikel-Konzern geäußert mit Verweis aufs Russland-Geschäft.

Autowerte profitierten davon, dass die Europäer mehr Autos kaufen. In der Europäischen Union wurden laut dem Branchenverband ACEA im September gut 1,2 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen und damit 6,4 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Der Absatz stieg den 13. Monat in Folge. Die Volkswagen-Papiere (VW) kletterten um 1,70 Prozent und die Anteilsscheine von Daimler und BMW jeweils um ein knappes Prozent. Die Aktien des Zulieferers Continental verteuerten sich sogar um 2,41 Prozent.

Eine vierte Verlustwoche in Folge dürfte dem Dax dennoch kaum erspart bleiben, sein bisheriges Wochenminus beläuft sich auf 1,5 Prozent. Seit vier Wochen geht es an den Börsen mit kleinen Unterbrechungen bergab.