Deutscher Aktienmarkt gewinnt trotz Haushaltssperre in den USA

Der deutsche Aktienmarkt hat sich kaum von der Haushaltssperre in den USA beeindrucken lassen. Die zu großen Teilen gelähmte Verwaltung in der größten Volkswirtschaft der Welt sei zwar keine gute Nachricht, sagten Händler.

Nach dem Streit der vergangenen Tage sei es aber keine Überraschung mehr gewesen, dass sich der Kongress in Washington nicht auf einen Übergangshaushalt habe einigen können.

Der deutsche Leitindex Dax gewann zuletzt um 0,44 Prozent auf 8633 Punkte. Der MDax mittelgroßer Werte stieg um 0,57 Prozent auf 15 120 Zähler. Der Technologieindex TecDax drehte nach schwächerem Start ebenfalls ins Plus und stieg zuletzt um 0,33 Prozent auf 1087 Punkte. Auch für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,47 Prozent aufwärts. Konjunkturdaten wie die Arbeitslosenzahlen in Deutschland gingen am Markt nahezu spurlos vorbei.

Für Analyst Gregor Kuhn vom Broker IG ist der bisherige Rücksetzer an den Aktienmärkten rund um den US-Budgetstreit «erstaunlich moderat ausgefallen». Mit dem Verwaltungsstillstand rückt an den Märkten nun die Debatte um die US-Schuldenobergrenze näher.

Die Konjunkturexperten der Dekabank sehen ein mögliches Scheitern dieser Verhandlungen schwerwiegender. Werde die Deckelung bis Mitte Oktober nicht angehoben, könnten die USA in die Situation geraten, nicht mehr alle Zinszahlungen fristgerecht überweisen zu können, schrieben sie. Börsianer befürchten dann eine noch größere Verunsicherung der Anleger. Hinzu kommt noch die weitere Unsicherheit in Italien. Am Mittwoch will Ministerpräsident Enrico Letta im Parlament die Vertrauensfrage stellen.

Bei den Einzelwerten fielen vor allem die Konsumgüterwerte von Henkel mit einem Kursverlust von 1,46 Prozent negativ auf. Grund für den Abwärtssog waren laut Händlern Sorgen um den britisch-niederländischen Rivalen Unilever, der unter der Nachfrageschwäche in Schwellenländern leidet. Beiersdorf-Papiere gaben anfangs ebenfalls nach, lagen zuletzt aber wieder mit rund einem Prozent im Plus. Händlern zufolge hatte sich Vorstandschef Stefan Heidenreich auf einer Investorenveranstaltung sehr positiv zum dritten Quartal geäußert.

Aktien von Dürr gehörten mit einem Kursplus von 5,23 Prozent zu den klaren MDax-Favoriten. Bessere Geschäfte seit dem Sommer stimmen den Anlagen- und Maschinenbauer zuversichtlicher. Ein Händler sah die Aussagen als tendenzielle Kursstütze. Deutschlands Maschinenbauer freuten sich zudem über das erste Auftragsplus seit drei Monaten. Papiere von Gildemeister gewannen 1,86 Prozent hinzu, Aktien der Gea Group 1,50 Prozent.

Die Dax-Spitzengruppe bildeten die Titel der Deutschen Börse mit 3,34 Prozent und der Lufthansa mit 2,15 Prozent plus. Der Börsenbetreiber steht kurz vor der Veröffentlichung seiner Handelsstatistik für den Monat September. Bei der größten deutschen Fluggesellschaft sahen Börsianer den sinkenden Ölpreis und eine positive Studie der Commerzbank am Werk. Analyst Frank Skodzik sieht bei einer vollständigen Umsetzung des geplanten Konzernumbaus rund 70 Prozent Kurspotenzial bei der Aktie.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,41 Prozent am Vortag auf 1,46 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,09 Prozent auf 133,53 Punkte. Der Bund-Future mit Laufzeit Dezember verlor 0,23 Prozent auf 140,27 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte ihn auf 1,3554 (Montag: 1,3505) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7378 (0,7405) Euro.