Deutscher Experte will Taifun-Opfern helfen

Nach dem verheerenden Taifun wollen auch deutsche Experten auf den Philippinen helfen. Für das Kinderhilfswerk Plan International Deutschland (Hamburg) ist heute die Abreise des 29-jährigen Fabian Böckler nach Manila geplant

«Das Leid ist so groß», sagte der Referent für humanitäre Hilfe kurz vor seinem Abflug. «Unsere neusten Zahlen gehen davon aus, dass 9,5 Millionen Menschen betroffen sind.»

Frage: Woran mangelt es im Krisengebiet am meisten?

Antwort: Es gibt nicht genug sauberes Trinkwasser, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung. Außerdem brauchen die Menschen ein sicheres Dach über dem Kopf, denn jetzt fangen die starken Regenfälle an. Außerdem sind sehr viele Tote auf den Straßen unter den Trümmern begraben. Man muss sich um die Leichen kümmern, sonst kann es zum Ausbruch von Krankheiten kommen.

Frage: Wie ist die Situation für die Kinder?

Antwort: Ganz viele Kinder haben ihre Eltern, Geschwister oder Verwandte verloren. Andere sind durch die Katastrophe von ihren Familien getrennt worden, irren hilflos umher. Um diese Kinder muss man sich natürlich kümmern. Neben Trinkwasser und Nahrung brauchen sie natürlich auch psychologische Versorgung, denn man muss ganz früh mit der Trauma-Arbeit anfangen. Gleichzeitig muss man für den nötigen Kinderschutz sorgen und sicherstellen, dass die Jungen und Mädchen nicht Opfer von Verbrechen werden. Sie brauchen eigene Unterkünfte, die sie vor Übergriffen schützen.

Frage: Was genau wird Ihre Aufgabe als deutscher Experte von Plan sein?

Antwort: Ich fliege nach Manila, um das Länderbüro vor Ort zu unterstützen. Dort laufen die Fäden zusammen. Wir machen eine Bedarfsanalyse und planen Nothilfe-Projekte, wie wir den Menschen am besten helfen können. Dafür brauchen wir natürlich möglichst viel finanzielle Hilfe. Die Hilfsgüter versenden wir nicht aus Deutschland, sondern greifen auf Produkte vom nationalen Markt oder aus Nachbarländern zurück. Unser Vorteil als Plan International ist, dass wir in diesem Land bereits lang angelegte Projekte für Entwicklungshilfe haben, so dass wir schon Leute vor Ort haben, mit denen wir zusammenarbeiten können. Sie werden den gesamten Aufbauprozess langfristig begleiten.

Frage: Es gibt weltweite Hilfsangebote und trotzdem kommt die Versorgung bislang nicht richtig voran. Warum?

Antwort: Der Zugang zu den betroffenen Gebieten ist begrenzt. Gerade erst können die ersten Flüge an die Flughäfen vor Ort weitergeleitet werden, beispielsweise nach Tacloban. Aber auch dann hat man erst einmal nur Zugang zu den Städten, in den ländlichen Gebieten weiß man meist gar nicht, wie es aussieht. Die Trümmer liegen überall, es ist schwer voranzukommen. Der Taifun hatte so eine unglaubliche Wucht. Eigentlich sind die Philippinen ja ein Land, das relativ gut auf Taifune vorbereitet ist, weil das so häufig passiert. Aber so ein Monstersturm - das war einfach zu viel.