Deutscher unter den 50 Anschlagsopfern im Jemen

Der Kampf zwischen Extremisten und dem Militär wird im Jemen jetzt mitten in der Hauptstadt ausgetragen. Terroristen stürmen das Verteidigungsministerium. Sie töten jeden, den sie sehen. Auch ein deutscher Entwicklungshelfer soll ums Leben gekommen sein.

Im Jemen haben Terroristen bei einem Selbstmordanschlag auf das Verteidigungsministerium Dutzende Menschen getötet. Unter den etwa 50 Toten soll in der Hauptstadt Sanaa auch ein deutscher Entwicklungshelfer der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sein, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Sicherheitskreisen in der jemenitischen Hauptstadt. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

Die Identität der Angreifer war unklar. Al-Kaida-Terroristen hatten mehrfach vergeblich versucht, Verteidigungsminister Mohammed Nasser Ahmed zu töten. Jemens Regierung bekämpft gemeinsam mit den USA die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP).

Bei dem Anschlag vom Donnerstag sprengte sich ein Angreifer am Eingang eines Gebäudes des Verteidigungsministeriums im Stadtzentrum in die Luft. Anschließend stürmten nach Angaben von Augenzeugen und lokalen Medien rund zwei Dutzend bewaffnete Männer das Gelände, auf dem auch ein Militärkrankenhaus liegt.

Es folgte ein mehrstündiges Gefecht zwischen Soldaten und den Angreifern, die sich in drei Gebäuden verschanzten. Unter den Toten sollen 20 Angreifer sowie mindestens 5 Krankenhausmitarbeiter sein, berichteten Helfer. In ersten Berichten war noch die Rede von einer getöteten deutschen Frau gewesen, die das Militärkrankenhaus, das auf dem Gelände liegt, angeblich mit einer Delegation besucht haben soll.

Der Krisenstab des Auswärtigen Amts befasste sich am Donnerstag mit der Lage in Sanaa. Zu deutschen Opfern machte das Ministerium keine Angaben. «Auswärtiges Amt und die deutsche Botschaft in Sanaa bemühen sich mit Hochdruck, den Verbleib deutscher Staatsangehöriger zu klären», sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Die GIZ machte keine Angaben und verwies auf das Auswärtige Amt.

Ein Sanitäter sprach in Sanaa von insgesamt rund 100 Verletzten. Das Gesundheitsministerium in Sanaa rief zu Blutspenden auf. Über Opfer unter den Soldaten machte das Verteidigungsministerium zunächst keine Angaben. Lokale Medien meldeten unter Berufung auf Krankenhausärzte, die Angreifer hätten in einem Operationssaal des Al-Awadi-Militärkrankenhauses zwei jemenitische Ärzte, ihren Patienten - einen bekannten Richter - und dessen Ehefrau erschossen. Auch drei Krankenschwestern seien von den Eindringlingen getötet worden. Die Frauen stammen nach Informationen des Nachrichtenportals «News Yemen» aus Indien, Venezuela und von den Philippinen.

Der getötete Richter war von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi als Berater für den nationalen Dialog ausgewählt worden, der Oppositionelle und Angehörige des Regimes von Ex-Präsident Ali Abdullah Salih versöhnen soll. Die Separatisten aus dem Süden des Landes hatten sich kürzlich aus diesem Forum zurückgezogen.

Dass sich die Angreifer überhaupt den Weg zum Ministerium freisprengen konnten, lag wohl auch daran, dass einige von ihnen Uniformen der jemenitischen Armee trugen. Außerdem soll die Lage am westlichen Eingang zu dem Gelände wegen Bauarbeiten unübersichtlich gewesen sein.

Aus dem Ministerium hieß es am Mittag, die meisten der Angreifer seien getötet worden. Die Lage auf dem Gelände sei wieder unter Kontrolle. Präsident Hadi besuchte das Ministerium am Nachmittag.

Verteidigungsminister Nasser hielt sich am Donnerstag zu einem Besuch in den USA auf. Die US-Armee hatte im Jemen in den vergangenen Jahren mehrfach mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen mit Kampfdrohnen getötet.