Deutschland auf Aufnahme von 50 Ebola-Patienten vorbereitet

Deutschland ist auf die Aufnahme von bis zu 50 Ebola-Patienten vorbereitet. Derzeit ist nach Angaben der Bundesregierung aber kein neuer Fall konkret absehbar.

«Momentan stehen 50 Betten bereit, die unmittelbar eingesetzt werden können», sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin. Deutschland sei auch vorbereit, weitere Patienten ins Land zu lassen - nach den bisher drei Behandlungen nichtdeutscher Helfer auf internationale Anfrage hin in Hamburg, Frankfurt/Main und Leipzig.

Das deutschlandweite Netz an Behandlungszentren, die auf hochansteckende Krankheiten spezialisiert seien, genieße auch international einen guten Ruf, so die Sprecherin weiter. «Diese Fälle werden regelmäßig geübt.» In Frankfurt, Düsseldorf, München und Hamburg gebe es zudem spezialisierte Flughäfen, an die Flugzeuge umgeleitet werden könnten, wenn dort ein Verdachtsfall auftritt.

Eine versehentliche Einschleppung des Erregers nach Deutschland hält das Robert Koch-Institut (RKI) für nicht ausgeschlossen. «Das Risiko ist gering, aber wir müssen natürlich damit rechnen», sagte der Vize-Präsident des Berliner RKI, Lars Schaade, im ZDF-Morgenmagazin.

Gegen mögliche Ebola-Fälle rüstet sich Niedersachsen in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge. Eine Strategiegruppe treffe Vorsorgemaßnahmen in den Lagern in Friedland, Bramsche und Braunschweig, sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD). Rettungswesen, Polizei sowie Brand- und Katastrophenschutz arbeiteten zusammen. Demnach sind die Gesundheitsstationen nun rund um die Uhr geöffnet, für Untersuchungen wurden separate Räume eingerichtet. Zudem wird das Personal geschult.

Nach der Infektion einer Krankenschwester in den USA wird mit Hochdruck nach der genauen Ursache geforscht. Wie konnte es trotz strenger Sicherheitsmaßnahmen zu der Infektion kommen? «Wir wissen nicht, was bei der Pflege des Index-Patienten, des ersten Patienten in Dallas, passierte», sagte der Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention), Tom Frieden, am Sonntag. «Aber an irgendeinem Punkt gab es einen Verstoß im Protokoll und der Verstoß führte zur Infektion.» Präsident Barack Obama forderte eine rasche Aufklärung der Umstände.

Die Klinikmitarbeiterin hatte Thomas Duncan gepflegt, den ersten Ebola-Patienten in den USA. Er hatte sich vor seiner Ankunft in Texas bei einer todkranken Frau in Liberia infiziert. Die Symptome traten aber erst in den USA auf. Er starb am Mittwoch in Dallas.

Erst kürzlich hatte sich eine Pflegehelferin in Spanien bei einem Patienten angesteckt. Sie soll sich beim Ausziehen des Schutzanzugs mit einem Handschuh versehentlich ins Gesicht gefasst haben.

Sowohl der Patient in Spanien als auch der in den USA hätten bereits starke Symptome und damit eine sehr hohe Viruslast gehabt, erläuterte Prof. Christian Drosten vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn. Damit sei das Risiko für eine Übertragung in beiden Fällen vergleichsweise hoch gewesen. Das Ausziehen des Schutzanzuges sei ein komplexer Prozess, bei dem die Reihenfolge einzelner Handgriffe exakt eingehalten werden müsse.

In Deutschland werden momentan zwei Ebola-Patienten behandelt: in Frankfurt am Main und in Leipzig. In Hamburg war ein Infizierter nach mehrwöchiger Versorgung geheilt aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Unruhe wegen Ebola gab es im Fußball: Der AC Mailand und Michael Essien haben Gerüchten über eine angebliche Ebola-Erkrankung ihres Mittelfeldspielers vehement widersprochen. «Ich bin fit und gesund. Die Gerüchte, ich hätte mich mit Ebola infiziert, sind nicht wahr», schrieb der ghanaische Fußball-Nationalspieler auf Twitter. Auch der italienische Erstligist stellte klar: «Der AC Mailand dementiert kategorisch diese Nachrichten, die aus dem Ausland über einige Spieler verbreitet wurden.» Afrikanische Medien hatten zuvor berichtet, der 31-Jährige sei an Ebola erkrankt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat inzwischen weit über 8000 Ebola-Fälle in den drei am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone registriert. Mehr als 4000 Menschen starben. Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.