Deutschland baut Schulden schneller ab

Rekordbeschäftigung, volle Sozialkassen und solide Staatsfinanzen: Deutschland wird nach Einschätzung der Bundesregierung auch in den nächsten Jahren seinem Ruf als europäischer Musterschüler gerecht werden.

Dank der guten Wirtschaftslage sollen die EU-Sparziele bereits 2019 - und damit vier Jahre früher als geplant - nahezu vollständig eingehalten werden.

Die Schuldenquote - der Anteil der gesamten Staatsschulden von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen an der Wirtschaftsleistung - werde 2019 mit 61,5 Prozent in die Nähe des Grenzwertes von 60 Prozent des Maastricht-Vertrages kommen, wie aus einem vom Kabinett beschlossenen Bericht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an die EU-Kommission hervorgeht. Die EU-Staaten müssen Brüssel jedes Jahr bis Ende April ihre mittelfristigen Finanzpläne vorlegen.

Die gesamtstaatliche Verschuldung hatte 2010 in Folge der Finanzkrise den Höchststand von 80,3 Prozent erreicht. Im laufenden Jahr soll sie auf etwa 71,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sinken. Zum Vergleich: In den 18 Euro-Staaten betrug der öffentliche Schuldenstand am Ende des dritten Quartals 2014 im Schnitt 92,1 Prozent, in den 28 EU-Ländern 86,6 Prozent. Der deutsche Staat steht insgesamt aber unverändert mit rund 2,15 Billionen Euro in der Kreide.

Schäuble erwartet 2015 erneut Rekordbeschäftigung in Deutschland. Die Zahl der Erwerbstätigen werde auf über 42,8 Millionen steigen. Die Regierung geht zudem davon aus, dass Europas größte Volkswirtschaft um gut 1,5 Prozent wächst - und ist damit vorsichtiger als viele Ökonomen, die mit bis zu 2 Prozent rechnen. An diesem Donnerstag stellen die führenden Forschungsinstitute in Berlin ihre neue Konjunkturprognose vor.