Deutschland-Chef von Microsoft: Windows 10 wird PC-Markt beleben

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz in der Computer-Industrie zu gelten, dass nur jede zweite Windows-Version etwas taugt.

Deutschland-Chef von Microsoft: Windows 10 wird PC-Markt beleben
Deutschland-Chef von Microsoft: Windows 10 wird PC-Markt beleben

Das aktuelle Windows 10, das gestern an den Start ging, erzielte im Gegensatz zur Vorgängerversion in unabhängigen Testberichten gute Noten und wird auch vom Geschäftsführer des Softwarekonzerns in Deutschland, Alexander Stüger, in höchsten Tönen gelobt. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Frage: Die Marktforscher von Gartner und IDC haben unlängst im PC-Markt erneut einen Absatzrückgang von rund zehn Prozent errechnet. Kann Windows 10 den kranken PC-Markt heilen?

Antwort: Wir befinden uns gerade in einer Umbruchphase, in der zuverlässige Vorhersagen tatsächlich sehr schwierig sind. Daher fallen die Prognosen der Marktforscher auch ziemlich konservativ aus. Mit dem Support-Ende für das veraltete Windows XP hatten wir vor einem Jahr ein spürbares Marktwachstum, dass sich zunächst so nicht fortgesetzt hat. Aber Windows 10 wird positive Auswirkungen nicht nur auf den PC-Markt haben. Windows 10 ist ja gerade ein System für alle Formfaktoren.

Frage: Aber warum soll ein Anwender neue Hardware kaufen, wenn doch alles gut funktioniert?

Antwort: In Deutschland haben wir einen Nachholbedarf. Nach einer Studie aus der Halbleiter-Industrie sind viele PCs mindestens fünf Jahre alt. Da verpassen die Anwender viele Innovationen, die möglich sind. Moderne PCs mit Windows 10 booten viel schneller. Ich kann statt eines Passworts ein 3D-Bild meines Gesichtes zum sicheren und bequemen Login nutzen. Dafür brauche ich eine moderne Kamera, die bei neuen PCs und Laptops eingebaut ist. Viele neue Rechner haben ein Touch-Display, das mit dem Finger bedient werden kann. Die Anwender brauchen für einen Neukauf einen Impuls. Den gibt es mit Windows 10 jetzt.

Frage: An manchen Schulen und Universitäten sind einfache Chromebooks populär, die nicht viel kosten und mit Diensten von Google in der Cloud laufen. Spüren Sie diese Konkurrenz?

Antwort: In Deutschland spielen Chromebooks quasi keine Rolle. Die Befürworter eines Chromebooks argumentieren ja mit dem Preis. Aber für dieses Geld bekommen sie auch schon einen Windows-Laptop mit Windows 10. Und auf dem kann man z.B. auch lokal Daten speichern und auch ohne Online-Verbindung den Sprachassistenten Cortana verwenden.

Frage: Windows 10 wird ja auch auf Smartphones laufen. In diesem Segment gab es unlängst schlechte Nachrichten bei Microsoft. Sie mussten Milliarden aus der Übernahme der Handy-Sparte von Nokia abschreiben. Bleibt Microsoft auf dem Smartphone-Markt aktiv?

Antwort: Unser Engagement für Windows Phone ist ungebrochen. Wir bringen im Herbst das Upgrade auf Windows 10 heraus und kümmern uns darum, dass es die Kunden erreicht. Es wird auch weiterhin Geräte von Microsoft geben, mit denen wir die Innovation in diesem Segment vorantreiben werden.

Frage: Bei Ihrem Szenario von «Windows für alle Geräte» müssen Sie aber doch davon ausgehen, dass viele Nutzer eines Windows-PCs auch ein Tablet oder Smartphone besitzen, das nicht mit Windows läuft, sondern mit den Systemen von Apple oder Google. Funktioniert Ihre Vision auch in diesen gemischten Umgebungen?

Antwort: Zum einen sind gerade in Deutschland die Marktanteile von Windows bei Smartphones und Tablets höher als man glaubt. Im Unternehmensmarkt sind Windows-Tablets sogar populärer als das iPad oder Tablets mit Android. Aber selbst wenn jemand eine andere Plattform verwendet, kann er unsere Services verwenden. Office 365 und Dienste wie OneDrive oder Wunderlist gibt es auch für iOS oder Android.

ZUR PERSON: Der gebürtige Österreicher Alexander Stüger (58) ist seit April 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland. Er studierte Betriebswirtschaft in Graz, arbeitete danach in der Konsumgüterindustrie und kam 1997 zu Microsoft. Er führte das Geschäft in Österreich und dann in der Schweiz und bekam die Zuständigkeit unter anderem für Verkauf und Marketing in Westeuropa, Afrika und dem Nahen Osten übertragen. In Deutschland übernahm Stüger die Führung, nachdem sein Vorgänger Christian Illek als Personalvorstand zur Deutschen Telekom zurückgekehrt war.