Deutschland treibt Raubkunst-Aufklärung voran

Deutschland gründet eine Stiftung zur schnelleren Ermittlung von Raubkunst aus der NS-Zeit. Die Kultusministerkonferenz (KMK) gab am Freitag nach einer Sitzung in Essen als letzte Instanz «grünes Licht» für das in Magdeburg geplante «Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste».

Vorangegangen waren Beratungen der Kultusminister der Länder mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Mit der Stiftung würden die deutschen Anstrengungen auch im Ausland besser wahrnehmbar, sagte die Staatsministerin der Nachrichtenagentur dpa.

Das Bundeskabinett hatte bereits am Mittwoch der Stiftung zugestimmt. Das Zentrum soll noch dieses Jahr errichtet werden. Stifter sind der Bund, die Länder und die kommunalen Spitzenverbände.

«Die Gründung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste ein Jahr nach Bekanntwerden des Falls Gurlitt ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Aufarbeitung des nationalsozialistischen Kunstraubs in Deutschland», sagte Grütters. «Es ist schlicht unerträglich, dass fast 70 Jahre nach dem Sieg über den Naziterror immer noch Naziraubkunst in deutschen Museen lagert.»

Im November 2013 war bekanntgeworden, dass beim Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt in München-Schwabing Hunderte Bilder gefunden worden waren. Bei etlichen könnte es sich um Raubkunst handeln. Gurlitts Vater, Hildebrand Gurlitt, gehörte nach Experteneinschätzung zu den zentralen Figuren des NS-Kunsthandels unter Adolf Hitler.

Die Stiftung soll national wie international der zentrale Ansprechpartner in Deutschland für die Suche und den Umgang mit NS-Raubkunst sein. Mit dem Zentrum modernisiere Deutschland nachhaltig die praktische Raubkunstsuche in Museen, Bibliotheken und Archiven, sagte Grütters.

Auch für Privatsammler und Privatmuseen sollen Angebote entwickelt werden, freiwillig den sogenannten Washingtoner Prinzipien zu folgen. 44 Länder hatten sich 1998 auf Grundsätze zum Umgang mit Raubkunst geeinigt. Private Kunstsammler sollen ermutigt werden, mit Hilfe der Stiftung ihre Bestände aufarbeiten zu lassen. «Dabei geht es nicht vordringlich um einen materiellen Ausgleich, sondern um die Anerkennung des von den Opfern erlittenen Unrecht», sagte Grütters.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne), betonte, es sei das Zeichen gesetzt worden, dass der Bewältigung der Folgen des beispiellosen Kunstraubes des NS-Unrechtsregimes auch heute noch ein hoher Stellenwert beigemessen werde.

In dem neuen Zentrum sollen die bisherige Koordinierungsstelle Lost Art in Magdeburg und die Arbeitsstelle für Provenienzforschung (Herkunftsforschung) in Berlin zusammengefasst werden. Es soll mehrere Experten unterstützen: die sogenannte Limbach-Kommission zur Rückgabe von Raubkunst, die Taskforce zur Aufklärung des Gurlitt-Fundes sowie die Arbeit freier Herkunftsforscher.