Deutschlands Ausfuhrrekord in Gefahr

Nach dem überraschend schwachen Juli haben die deutschen Exporteure im August wieder mehr Waren in alle Welt verkauft.

Deutschlands Ausfuhrrekord in Gefahr
Marcus Brandt Deutschlands Ausfuhrrekord in Gefahr

Die große Trendwende ist das aber noch nicht: Die Weltkonjunktur liefert kaum Impulse, vor allem das Asiengeschäft bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Und auch die Partnerländer im Euroraum halten sich beim Kauf von Produkten «Made in Germany» weiter zurück. «Der Welthandel bleibt angeschlagen, was entsprechende Bremsspuren bei den deutschen Exporten hinterlässt», sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank.

Im Jahresvergleich sanken die deutschen Ausfuhren im August um 5,4 Prozent auf 85,3 Milliarden Euro, in den ersten acht Monaten steht ein Minus von 1,1 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Die Einfuhren sanken um 2,2 Prozent auf 72,2 Milliarden Euro.

«Wie es aussieht, kann Deutschland seine Rekordzahlen aus dem Vorjahr nicht wiederholen», sagte Berenberg-Ökonom Christian Schulz. Er rechnet für die letzten Monate des Jahres mit einer sanften Erholung, getragen vom Ende der Rezession im Euroraum, der Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft und des starken Wachstums in England: «Das Haushalts-Wirrwarr in den USA sollte keine dauerhaft negativen Auswirkungen haben.»

Auch der Außenhandelsverband BGA glaubt nun nicht mehr an ein Plus von drei Prozent in diesem Jahr. BGA-Präsident Anton Börner sagte: «Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen und dem überraschend lange sich verzögernden Aufschwung im Außenhandel gehen wir davon aus, dass wir in diesem Jahr lediglich das Vorjahresergebnis bei den Ausfuhren erreichen werden.» Allerdings sei das Stagnation auf hohem Niveau: «Und die schwarze Null versehen wir aber ausdrücklich mit einem Pluszeichen, denn wir hoffen noch auf ein Wachstum zum Jahresende.»

Immerhin einen Hoffnungsschimmer lieferte der August: Zum schwachen Vormonat stiegen die Ausfuhren um 1,0 Prozent. Damit wurde der Juli-Rückgang ausgeglichen. Die Einfuhren erhöhten sich von Juli auf August um 0,4 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Exportzuwachs um 1,1 Prozent und einem Importplus von 0,7 Prozent gerechnet.

Der Handel mit den Euro-Partnerländern entwickelte sich im August erneut schwach. Nach den Zahlen der Statistiker sanken die Exporte im Jahresvergleich um 4,1 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro, die Importe gingen um 2,8 Prozent zurück auf 30,7 Milliarden Euro.

Noch deutlicher gingen die Lieferungen in Länder außerhalb der Europäischen Union zurück. Gegenüber August 2012 nahmen die Exporte in diese Drittländer um 7,2 Prozent auf 38,2 Milliarden Euro ab, die Importe um 4,3 Prozent auf 27,5 Milliarden Euro.

Nach Überzeugung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) haben sich die Perspektiven zwar verbessert, insbesondere im Euroraum, wo mehrere Krisenländer die Talsohle wohl erreicht hätten. Dennoch könne die Weltkonjunktur der deutschen Wirtschaft noch keinen starken Schub geben.

Zumal die Euro-Aufwertung der vergangenen Monate und die gestiegenen Lohnstückkosten und Energiepreise den Exporteuren zu schaffen machten: «Die realen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen werden 2013 kaum wachsen - 2014 ist allenfalls ein Plus von 3,5 Prozent drin», hieß es beim IW.

Langfristig sind die Perspektiven der deutschen Exportwirtschaft aber gut, betonte die britische Großbank HSBC in ihrem am Dienstag veröffentlichten Global Connections-Bericht. Zwar werden die Ausfuhren in die europäischen Länder bis 2015 nur um 0,1 Prozent pro Jahr zulegen. Doch dürften die Exporte in den gesamten asiatischen Raum von 2013 bis 2015 um voraussichtlich 6,5 Prozent, danach sogar um 7,6 Prozent jährlich ansteigen.

Neben China würden andere asiatische Länder als Handelspartner bedeutsamer. Das Bankhaus betont: «Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern der Eurozone ist der Ausblick für die deutsche Exportwirtschaft vielversprechend.»