DFB: «Kein Stimmenkauf» vor WM - Geld war FIFA-Bedingung

Die ominöse Millionen-Zahlung an die FIFA vor der WM 2006 ist nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes zur Sicherung eines Organisations-Zuschusses geflossen - und nicht zur Bestechung von Funktionären des Weltverbandes.

DFB: «Kein Stimmenkauf» vor WM - Geld war FIFA-Bedingung
Arne Dedert DFB: «Kein Stimmenkauf» vor WM - Geld war FIFA-Bedingung

«Es ist bei der WM-Vergabe 2006 alles mit rechten Dingen zugegangen. Es hat keine schwarzen Kassen gegeben, es hat keinen Stimmenkauf gegeben», erklärte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Frankfurt am Main.

Knapp eine Woche nach den Enthüllungen des «Spiegels» äußerte sich Niersbach damit zum ersten Mal im Detail zu jenen 6,7 Millionen Euro, auf denen die massiven Korruptionsvorwürfe des Nachrichtenmagazins beruhen. Das Geld sei als Bedingung dafür geflossen, dass man von der FIFA «eine Organisationsunterstützung in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken gewährt bekam», sagte der DFB-Chef.

Laut Niersbach geht diese Summe tatsächlich wie vom «Spiegel» berichtet auf eine Art Darlehen des damaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus zurück. Unmittelbar nach dem Zuschlag für die Heim-WM im Juli 2000 habe das Organisationskomitee begonnen, mit der FIFA über einen Zuschuss zu verhandeln. Eine Einigung sei aber erst erfolgt, nachdem sich OK-Chef Franz Beckenbauer bei einem Treffen mit FIFA-Präsident Joseph Blatter Anfang 2002 in Zürich über die Details geeinigt habe.

Danach sollten die Deutschen zunächst 10 Millionen Schweizer Franken (6,7 Millionen Euro) zahlen, was nach Vermittlung des 2002 verstorbenen Beckenbauer-Managers Robert Schwan dann direkt Louis-Dreyfus mit einer Überweisung an die Finanzkommission der FIFA übernommen haben soll. Mit dieser Schilderung bestätigte Niersbach einen Vorab-Bericht der «Bild»-Zeitung.

Ein Jahr vor der WM soll laut Niersbach dieses Geld dann über ein FIFA-Konto an den 2009 gestorbenen Franzosen zurückgezahlt worden sein - deklariert als Beitrag des Organisationskomitees für eine große Eröffnungsfeier in Berlin, die später nie stattfand. «Mir war nicht bewusst, dass hinter dem Etat-Posten Kulturprogramm die Rückzahlung dieses Geldes steckt», sagte Niersbach. Er sei erst «vorgestern bei Franz Beckenbauer in Salzburg gewesen» - und habe erst seitdem Kenntnis von vielen der Vorgänge rund um die Vergabe der Heim-WM.

Zahlreiche entscheidende Fragen zu dieser Affäre konnte oder wollte Niersbach nicht beantworten. Warum muss man als WM-Ausrichter erst 10 Millionen Schweizer Franken an den Weltverband zahlen, um später einen Zuschuss von 250 Millionen zu erhalten? Und wenn man das muss: Warum ist das Organisationskomitee nicht zu einer Bank gegangen und hat sich in Erwartung der riesigen Millionen-Einnahmen durch dieses WM-Turnier einen regulären Kredit besorgt? Und warum werden Entscheidungen über solche Millionen-Zahlungen allein zwischen Beckenbauer und Blatter eingefädelt, ohne dass ein damaliges OK-Mitglied wie Niersbach davon wusste?

«Ich kann nur für mich persönlich sprechen», sagte der DFB-Präsident bei der Pressekonferenz dazu. Ob Beckenbauer von der Verwendung des Geldes gewusst habe? «Kann sein.» «Der Spiegel» hatte vor einer Woche geschrieben, das Darlehen von Dreyfus sei im Vorfeld der WM-Vergabe zur Bestechung von FIFA-Entscheidern verwendet worden. Dies hatte schon einen Tag später zum ersten Mal vehement zurückgewiesen.