DHB-Team spielt gegen Dänemark um WM-Gruppensieg

Uwe Gensheimer plusterte die Backen auf, dachte kurz nach und schüttelte den Kopf. Nicht einmal der Kunstwurfexperte hat einen Trick parat, mit dem er Dänemarks Nationaltrainer Gudmundur Gudmundsson überraschen kann.

«Das wird schwierig», sagte der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Am Dienstag sind der Linksaußen und seine Kollegen bei der WM in Katar nicht nur gegen den WM-Zweiten gefordert, sondern auch gegen seinen ehemaligen Club-Trainer bei den Rhein-Neckar Löwen.

Im Spitzenspiel der Vorrundengruppe D zwischen Tabellenführer Deutschland und Verfolger Dänemark gibt es keine Geheimnisse. «Die Weise, wie er seine Mannschaften spielen lässt, kennen wir sehr gut. Aber das wird nicht das Entscheidende sein. Es kommt auf die Tagesform an und dass wir daran glauben, die Dänen schlagen zu können», sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson mit Blick auf Gudmundsson und sein Team.

Er und sein einstiger Mentor sind gut befreundet, telefonieren für gewöhnlich regelmäßig miteinander und kennen ihre jeweiligen Spielweisen aus dem Effeff. Dazu kommt, dass Gensheimer und Rechtsaußen Patrick Groetzki vier Jahre lang unter Gudmundsson trainiert haben. «Es ist natürlich etwas Besonderes. Da spielt man gegen seine ehemaligen Spieler. Aber während des Spiels vergisst man das», meinte Gudmundsson. Der Isländer hat vor dieser Saison Erfolgstrainer Ulrik Wilbek abgelöst, der zum Sportdirektor im dänischen Verband aufgestiegen ist.

Das Duell der beiden gemeinsamen Ausrichter der Männer-WM 2019 ist nach Meinung beider Trainer bereits das Spiel um den Gruppensieg, wenngleich dann noch zwei Spieltage offen sind. «Wenn wir Erster sein wollen, müssen wir gewinnen», legte sich Sigurdsson fest und fügte an: «Vor einer Woche hätte ich gesagt: Wir wollen gewinnen und müssen nicht. Aber jetzt sagt man einfach, man muss gewinnen. Wir werden die Sache positiv und aggressiv angehen.» Für Gudmundsson ist klar: «Gewinnen wir, haben wir alle Möglichkeiten. Wenn Deutschland gewinnt, haben sie die Gruppe gewonnen.»

Seit der 41-jährige Sigurdsson unter Nationaltrainer Gudmundsson Kapitän der isländischen Auswahl war, kennen sich beide bestens und schätzen sich. «Wir telefonieren ab und zu. Aber in den letzten paar Wochen nicht. Da war das Telefon ausgeschaltet», sagte der 13 Jahre ältere Gudmundsson. Auf Island gehen beide Hobbyangler sogar gemeinsam zum Fliegenfischen.

Bis nach dem Spiel aber ruhen alle Freundschaften und guten Verhältnisse. «Die Dänen wissen ungefähr, was wir spielen, wir wissen, was die Dänen spielen. Es wird wie immer darauf ankommen, dass man im Spiel die richtigen Entscheidungen trifft», sagte Uwe Gensheimer, der beim wichtigen 27:26-Erfolg am Sonntag gegen Russland neun Tore warf. Gudmundsson ist im Gegenzug bestens auf die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) vorbereitet. «Ich habe natürlich alle Spiele von Deutschland gesehen in der Vorbereitung. Wir haben viele Informationen über Deutschland. Aber am Ende zählt, was wir auf dem Spielfeld machen», sagte der Isländer.

Auch Patrick Groetzki fiel nichts ein, womit er seinen ehemaligen Trainer Gudmundsson noch erstaunen könnte. «Da wird es wenige Überraschungen geben», meinte er und zog daraus den Schluss: «Man fährt ohnehin immer gut, wenn man die Sachen macht, die man kann und denen man vertraut.»