Die Kandidaten für den Posten der Bundestagsvizepräsidenten

Die vier Fraktionen im 18. Deutschen Bundestag haben ihre Kandidaten für die Posten der Bundestagsvizepräsidenten aufgestellt. Gewählt werden sie in der konstituierenden Sitzung an diesem Dienstag.

Die Kandidaten für den Posten der Bundestagsvizepräsidenten
Florian Schuh Die Kandidaten für den Posten der Bundestagsvizepräsidenten

JOHANNES SINGHAMMER (60) - CSU: Der Vater von sechs Kindern und CSU-Politiker war in der vergangenen Legislaturperiode als stellvertretender Unionsfraktionschef unter anderem für das Thema Gesundheit zuständig. Er setzte sich für eine soziale, aber auch wirtschaftsfreundliche Ausgestaltung der Gesundheitspolitik ein. Singhammer zeigte dabei ein ausgleichendes Wesen, scheute aber auch Konflikte mit dem FDP-geführten Fachressort nicht. Der Jurist und Katholik aus München mag Sport, ist begeisterter Radler und singt im Männerchor. In München setzte er sich unter anderem erfolgreich für die Freigabe eines Bundeswehr-Übungsgeländes als Naherholungsfläche ein.

PETER HINTZE (63) - CDU: Hintze gehört zum kleinen Kreis der CDU-Politiker, die Kanzlerin Angela Merkel lange kennen und ihr Vertrauen genießen. 1992 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfrauenministerium - unter der damaligen Ressortchefin Merkel. Nach der Wahlniederlage der Union 1998 löste Merkel Hintze im Amt des Generalsekretärs der Partei ab. Doch der Kohl-Mann Hintze überstand den «Systemwechsel» in der Partei. Seit 2005 ist er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Dem Bundestag gehört Hintze bereits 23 Jahre an. Vor seiner politischen Karriere war er evangelischer Pfarrer in Königswinter. Hintze ist ein oft gut gelaunter Rheinländer mit Spaß an Ironie. Er gilt als warmherzig. Der Christdemokrat ist ein überzeugter Europäer, zieht Strippen hinter den Kulissen und kann schweigen.

ULLA SCHMIDT (64) - SPD: Ab 2001 bis zum Ende der großen Koalition 2009 war die SPD-Politikerin Gesundheitsministerin. Am Ende musste sie sich Vorwürfen stellen, weil sie für kleinere dienstliche Termine ihren Dienstwagen in einen Spanien-Urlaub bestellt hatte. In ihrem Amt hatte sie zuvor alle Proteste von Ärzten und Pflegern, Kassen und politischen Gegnern unbeschadet überstanden. Mit Charme, Raffinesse und Fachwissen prägte die Aachenerin mit dem rheinischen Tonfall das schwierige Ressort. Als allein erziehende Mutter, Lehrerin für Lernbehinderte und Frau mit kommunistischer Vergangenheit lernte sie sich durchzuboxen. 2010 wurde sie Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der Nato und im Bundestagskulturausschuss.

EDELGARD BULMAHN (62) - SPD: Die frühere Forschungs- und Bildungsministerin schlug in ihrem Wahlkreis Stadt Hannover II ihre prominente Konkurrentin, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen von der CDU. Erneut wurde sie direkt in den Bundestag gewählt. Bulmahn setzt sich vor allem für soziale Gerechtigkeit und gleiche Bildungschancen ein. Die Studienrätin ist seit 1969 in der SPD, Mitglied des Bundestags ist sie seit 1987. Von 1998 bis 2003 war sie SPD-Landesvorsitzende in Niedersachsen - als Nachfolgerin von Gerhard Schröder, der Bundeskanzler wurde. Bulmahn setzte sich in einer Kampfkandidatur gegen Gernot Erler und Petra Ernstberger als Kandidatin durch.

PETRA PAU (50) - LINKE: Die Linke-Politikerin hat Erfahrung in dem leitenden Gremium des Bundestages: Sie war bereits in den beiden letzten Wahlperioden Vizepräsidentin. Sie gehört dem Bundestag seit 1998 an. In ihrer zweiten Legislaturperiode hielt sie zusammen mit Parteifreundin Gesine Lötzsch allein die Stellung für die Linkspartei. Als Fraktionslose saßen die beiden ganz am Rande des Parlaments. Als PDS-Landeschefin (1992 bis 2001) baute die ausgebildete Deutsch- und Kunstlehrerin ihre Partei beharrlich zur dritten Kraft in Berlin aus.

CLAUDIA ROTH (58) - GRÜNE: Herz, Seele oder Mutter der Grünen - so wurde die Politikerin genannt, die bis zum Wochenende mehr als elf Jahre an der Spitze ihrer Partei stand. Entsprechend emotional fiel der Abschied beim Parteitag aus. Roth war Außenpolitikerin, Menschenrechtsexpertin, engagierte sich für Kulturpolitik, Minderheiten und Fragen der Demokratie. In Flüchtlingslagern traf sie ebenso den Ton wie im Fußballstadion. Viele Verbindungen hat die frühere Managerin der Rockband «Ton Steine Scherben» in den Kulturbereich. Von der Grünen-Spitze wollte sie schon abtreten, nachdem sie bei einer Urwahl der Spitzenkandidaten für den Wahlkampf nur 26 Prozent bekommen hatte, wurde aber nach einer Welle der Unterstützung im Internet («Candy-Storm») umgestimmt.