Die Marotte mit den späten Toren: Frankreich atmet durch

Fußball-Frankreich atmet ganz tief durch. Die Last-Minute-Siege der Équipe tricolore bei der Fußball-EM kosten Nerven.

Die Marotte mit den späten Toren: Frankreich atmet durch
Peter Powell Die Marotte mit den späten Toren: Frankreich atmet durch

«Es wird langsam eine Marotte, dass wir immer am Ende zuschlagen», meinte Trainer Didier Deschamps nach dem 2:0 gegen Albanien, «aber ich kann ihnen sagen, mir wäre es lieber, wenn wir etwas früher zuschlagen könnten».

Gegen Albanien fielen die Tore in der 90. Minute und in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Nie erzielte eine Mannschaft später ein Tor bei einer Fußball-Europameisterschaft. «Es ist nichts Neues, dass wir spät treffen», sagte der Schütze zum Endstand, Dimitri Payet. Das erlösende 1:0 gegen tapfere EM-Debütanten am Mittwochabend in Marseille hatte Antoine Griezmann erzielt.

Erschöpft wirkten selbst manche Zuschauer, als diese das Stade Vélodrome gegen Mitternacht verließen. Wieder hatten sie lange gezittert, gebangt und gehofft mit der Mannschaft des EM-Gastgebers. Wieder schallte ohrenbetäubender Jubellärm erst in den letzten Minuten durch das Stadion - wie beim 2:1 zum Auftakt gegen Rumänien dank des Treffers des neuen Nationalhelden Payet in der 89. Minute.

Nach zwei Siegen aus zwei Spielen ist den Franzosen das Achtelfinale sicher, erreichen wollen sie es aber als Gruppenerster mit drei Siegen aus drei Spielen - Gegner wäre dann ein Gruppendritter. Nächster Kontrahent ist am Sonntag in Lille die Schweiz, mit vier Punkten Gruppenzweiter vor Rumänien (1) und den punktlosen Albanern.

«Wir nehmen aus diesem Spiel weiteres Selbstvertrauen für das nächste mit», meinte Torwart und Kapitän Hugo Lloris. Mit Baguette in der Hand erklärte er in der Mixed-Zone in den Stadion-Katakomben zudem, dass dieser Erfolg die Moral der Mannschaft unterstreiche. «Wir haben Reife gezeigt, weil wir bis zum Ende geduldig geblieben sind. Diese Geduld ist mit schönen Toren belohnt worden», sagte Lloris. «Wir müssen diesen Wettkampfspirit beibehalten.»

Allerdings musste Trainer Deschamps seine lange Zeit wenig glanzvoll und wenig souverän spielenden Schützlinge in der Halbzeit etwas wachrütteln. «Leute, das ist ein Vorrundenspiel, wenn wir das gewinnen, dann sind wir durch, und da müsst ihr euch noch ein wenig mehr reinhängen, ein wenig mehr zeigen und aggressiver und schneller spielen, das macht den Unterschied'», sagte Deschamps laut Bayerns Kingsley Coman.

Der 20-Jährige stand diesmal in der Startformation und wurde nach einem vielversprechenden, agilen Auftritt gegen Griezmann ausgewechselt. «Es war ein schwieriges Spiel für uns, aber wir brauchten dieses erste Tor, um uns ein wenig freizuspielen. Ich habe versucht, genau das zu tun», sagte der bei Atlético Madrid spielende Griezmann.