Die romantischen Seiten des Sommers

Ein wohliges Lüftchen weht vom Wasser herüber und die Sonne taucht den Himmel in orangerot: Ob an der Spree, am Starnberger See oder am Main - im Sommer ist Romantik angesagt.

Die romantischen Seiten des Sommers
Özlem Yilmazer Die romantischen Seiten des Sommers

Paare wie Henriette Wander (29) und Tom Lindner (34) sitzen abends um halb neun noch draußen. Sie machen am Ulmer Donau-Ufer ein Picknick. «Die Tage sind länger und es ist schön, einfach draußen zu sein - man hat mehr voneinander», sagt Henriette (Henri). «Da kann man den anderen genießen», beschreibt ihr Freund den Reiz lauer Abende und romantischer Sommernächte.

Was löst der Sommer bei Menschen aus? «Das Wetter hat auf unsere Psyche einen sehr starken Einfluss und das wird oft unterschätzt», sagt die Kölner Psychologin und Psychotherapeutin Gerhild von Müller. Sie genießt im Sommer selbst gern Sonnenuntergänge. Die Besonderheit im Sommer sei, dass man lange draußen bleiben könne, viele Stunden nach Feierabend, dass man überhaupt mehr Menschen treffe, kontaktfreudiger sei und mit weniger Schlaf auskomme, erklärt von Müller. «Licht und Wärme sind für Menschen stimmungsaufhellend.»

Romantisch ist, wer gefühlsbetont oder schwärmerisch ist und die Wirklichkeit idealisiert, erklärt der «Duden». Der Soziologe Niklas Luhmann sah die romantische Liebe als ein Phänomen der Moderne, wie die Ethnologin Christiane Brosius von der Universität Heidelberg in einem Artikel schreibt. In der abendländischen Kulturgeschichte sei sie ein Ausdruck von Individualität und Innerlichkeit. Der Einzelne erkenne sich im Anderen und öffne sich, erklärt Brosius die Theorie.

Vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auch die Epoche der Romantik. Eine geistige Bewegung, die ganz Europa umfasste - etwa in Literatur, Malerei und Musik. Im Gegensatz zur Aufklärung und Klassik, waren hier das Gefühl, das Irrationale und die nostalgische Sehnsucht im Fokus. Ein wichtiger Vertreter der deutschen Romantik war der Schriftsteller E.T.A. Hoffmann (1776-1822).

Die Ulmer Henri und Tom sind seit zehn Jahren ein Paar und sind gerne schwärmerisch. «Er hat mir vorletzte Woche einfach so ein Wochenende in Barcelona geschenkt, das fand ich sehr romantisch», sagt Henri. Sie gehen auch gern an einen See oder schauen sich den Sternenhimmel an. «Es kann auch mal ein Abendgewitter sein», verrät Tom. Andere Paare spazieren händchenhaltend an Promenaden, liegen eng umschlungen unter Bäumen im Park oder teilen sich einen Eisbecher.

Wer seiner Liebsten oder seinem Liebsten die Sterne vom Himmel holen will, hat die besten Chancen dazu in den Nächten vom 10. bis 14. August. Bei gutem Wetter sind da nämlich besonders viele Sternschnuppen zu sehen. Bis zu hundert von ihnen pro Stunde sollen in der Nacht zum 13. August zu beobachten sein. Sie sind auf den Meteorstrom der sogenannten Perseiden zurückzuführen. Von einer Decke auf der Wiese aus könnte das zum Romantik-Highlight werden.

Ein Drittel der Deutschen fühlt sich im Sommer romantischer als sonst, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. Für die Hälfte macht das Wetter aber keinen Unterschied.

Romantik biete nicht nur der Sommer, sagt die Psychologin von Müller. «Im Frühling sind es die ersten Sonnenstrahlen und das Aufatmen nach der Winterstarre; im Winter ist es die Schlittenfahrt im Schnee. Und wenn es draußen stürmt, rückt man näher zusammen, das schafft Wärme und Sympathie.» Es sei eine Typ-Frage. «Romantiker leben gerne sinnlich und genießen das Leben.»