Die wichtigsten Fragen in der WM-Affäre

Auch nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident bleiben zahlreiche Fragen offen. Die wichtigsten Punkte für die weitere Entwicklung der WM-Affäre im Überblick.

Die wichtigsten Fragen in der WM-Affäre
Arne Dedert Die wichtigsten Fragen in der WM-Affäre

Wie läuft jetzt die Aufklärungsarbeit im DFB?

Das neue Führungsduo Rainer Koch/Reinhard Rauball hat konsequente Aufklärungsarbeit versprochen. Mit Spannung erwartet wird der Bericht der vom DFB beauftragten Wirtschaftskanzlei Freshfields, die in den Ermittlungen aufgekommene Zweifel an ihrer Unabhängigkeit ausräumen muss. Interimschef Koch hat sich mit klaren Statements zu dem neu aufgetauchten Dokument, das Korruptionsversuche der WM-Macher suggeriert, positioniert. Das von der Staatsanwaltschaft untersuchte mögliche Steuerdelikt um die 6,7 Millionen-Euro-Zahlung ist für den Verband nur noch einer von mehreren Aspekten. Ergebnisse sind laut Koch erst in einigen Wochen zu erwarten.

Kann der DFB Franz Beckenbauer zur Aufklärungsarbeit zwingen?

Die Fußball-Welt erwartet Antworten von Franz Beckenbauer. Den externen DFB-Prüfern stand er schon Rede und Antwort - offenkundig blieben aber Fragen offen. Eine juristische Handhabe hat der DFB gegen den Ehrenspielführer nicht. Auf Aussagen pochen könnten die FIFA-Ethikkommission oder die Staatsanwaltschaft. Bei den dubiosen Dreyfus-Millionen war Beckenbauer zunächst einmal fein raus. In den Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung spielt er keine Rolle, an der beanstandeten Steuererklärung war er offenkundig nicht beteiligt. Ein möglicher Straftatbestand der Korruption oder Bestechung wäre verjährt. Wie lange der Kaiser dem Druck der Öffentlichkeit standhält, bleibt abzuwarten. Der Imageschaden ist für die Lichtgestalt jedenfalls nicht mehr abzuwenden.

Wer ermittelt sonst noch in der WM-Affäre?

Auf sportlicher Ebene droht den Beteiligten Ärger von den Ethikhütern des Weltverbands. Die Untersuchungskammer verfolgt «die Entwicklungen in Deutschland aufmerksam» und hält sich «aus ermittlungstaktischen Erwägungen» bedeckt. Über mögliche Voruntersuchungen gibt das Gremium generell keine Wasserstandsmeldungen ab, die Ethikkommission darf sämtliche Unterlagen der externen DFB-Ermittler anfordern.

Bis wann muss der DFB einen neuen Präsidenten wählen?

Die DFB-Statuten sehen keinen konkreten Zeitplan für eine Neuwahl vor. Das Präsidium kann den vakanten Posten neu besetzen. Das ist mit der Doppelspitze Rauball/Koch geschehen. Ein Zeitlimit gibt es nur, wenn ein außerordentlicher DFB-Bundestag einmal beantragt wurde. Dann muss das höchste Verbandsgremium innerhalb von neun Wochen zusammentreten. Theoretisch könnten Rauball/Koch den DFB auch bis zum nächsten ordentlichen Bundestag am 3./4. November 2016 in Erfurt führen. Koch machte jedoch klar, dass man spätestens bis zur EM im kommenden Sommer die Verhältnisse geklärt haben will.

Wieso will der DFB, dass Niersbach seine internationalen Ämter behält?

Die Posten in den Exekutivkomitees der internationalen Verbände sind nicht an ein DFB-Amt gebunden. Also könnte Niersbach bis 2017 bei der UEFA und bis 2019 bei der FIFA bleiben. Tritt er zurück oder wird er durch die FIFA-Ethikkommission gesperrt, würde nicht automatisch ein anderer DFB-Vertreter nachrücken. Die Gremienplätze würden beim nächsten UEFA-Kongress neu vergeben. Angesichts des WM-Skandals wäre ein deutschen Kandidat nicht unbedingt favorisiert. Der DFB würde Einfluss in den internationalen Gremien verlieren - gerade bei deren anstehender Neuordnung und vor der Vergabe der EM 2024 - die längst kein Selbstläufer mehr für den DFB ist.