Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen

Der Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen Geldgebern wird von einer guten Handvoll Politikern bestimmt. Wer sind die wichtigsten Akteure?

Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen
Rainer Jensen Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen

BUNDESKANZLERIN ANGELA MERKEL UND FINANZMINISTER WOLFGANG SCHÄUBLE: Merkel hatte mit Beginn der dramatischen Finanzkrise in Griechenland auf die Bremse gedrückt. Die eiserne Devise von Merkel und Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. In Athen wurde Merkel dann bei einem Besuch mit Plakaten begrüßt, auf denen sie mit Hitler-Bart zu sehen war. Schäuble wurde in der Zeitung der Regierungspartei Syriza als Nazi dargestellt. Auch nach dem jüngsten Hilfsantrag der Griechen war Schäuble der erste, der strikt Widerstand ankündigte.

In Griechenland pocht Syriza-Chef ALEXIS TSIPRAS auf eine Lockerung der strikten EU-Sparvorgaben. Der wichtigste Syriza-Mann in Sachen Finanzen für die Verhandlungen dürfte der erfahrene Politiker GIANNIS DRAGASAKIS sein. Er ist einer der wenigen Funktionäre der Linkspartei, der Regierungserfahrung hat. Er war 1989 für kurze Zeit in einer Übergangsregierung stellvertretender Wirtschaftsminister. Der aus Kreta stammende Politiker und Ökonom meint seit Ausbruch der Finanzkrise, der griechische Schuldenberg sei nicht tragbar. Es müsse einen Schuldenschnitt geben.

Offiziell werden die Verhandlungen von Finanzminister GIANIS VAROUFAKIS geführt. Der stets lässig gekleidete Wirtschaftsprofessor hatte zuletzt mehrfach für einen Eklat gesorgt. Als Schäuble beim ersten Aufeinandertreffen in Berlin angesichts der Differenzen in die Kameras sagte: «We agree to disagree» («Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind.») konterte der Grieche prompt: «Wir sind uns nach meinem Verständnis nicht einmal darin einig.»

JEROEN DIJSSELBLOEM: Der niederländische Finanzminister ist der offizielle Repräsentant der Eurogruppe - also der 19 EU-Länder, die die Gemeinschaftswährung eingeführt haben. Er übernahm den schwierigen Job mitten in der Euro-Schuldenkrise 2013 - und galt im internationalen Politikgeschäft anfangs als überfordert.

MARIO DRAGHI: Der italienische Wirtschaftswissenschaftler ist als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) im Hintergrund einer der wichtigsten Akteure bei der Griechenland-Rettung. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben und die Geldpolitik zum Spielball der Regierungen - vor allem der Krisenstaaten - gemacht zu haben. Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben.

CHRISTINE LAGARDE: Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Ohne den IWF geht bei der Griechenland-Rettung nichts. Allein das aktuelle Hilfsprogramm ist 28 Milliarden Euro schwer.

JEAN-CLAUDE JUNCKER: Der EU-Kommissionspräsident bemühte sich in den vergangenen Woche um eine Vermittlerrolle. Ein echter Erfolg hat sich bislang nicht gezeigt - zumindest nicht öffentlich. Die deutsche Seite interpretierte den Hilfsantrag der Griechen zumindest ganz anders als Juncker, der frühere viele Jahre als Eurogruppenchef mitten im Geschehen war.