Digitale Revolution im Handel: Sprechende Schaufenster und Fußscanner

Kassen, die zum Kunden kommen, sprechende Schaufenster oder passende Schuhe ohne langes Anprobieren: Der deutsche Einzelhandel steht nach Einschätzung von Experten vor einer digitalen Revolution.

Digitale Revolution im Handel: Sprechende Schaufenster und Fußscanner
Jens Kalaene Digitale Revolution im Handel: Sprechende Schaufenster und Fußscanner

Bereits in den kommenden fünf Jahren könnten viele der technischen Neuheiten zum Alltag in den Läden gehören, kündigte Ulrich Spaan vom Kölner Handelsinstitut EHI am Dienstag in Düsseldorf zum Start der Handelsmesse EuroCIS an.

Einen Umschwung in dieser Größenordnung habe es seit Einführung der Selbstbedienung in der Branche nicht mehr gegeben, sagte der Experte. Bei der Düsseldorfer Fachmesse stellen 318 Aussteller aus 23 Ländern noch bis zum Donnerstag technische Neuheiten für den Handel vor.

Welche Systeme sich in der Praxis schließlich durchsetzen werden, weiß noch niemand. Als sicher gilt nur, dass es für viele Geschäfte angesichts der zunehmenden Online-Konkurrenz ums Überleben geht. «Es gibt keine Alternative. Wer nicht investiert, muss sich auf Umsatzverluste einstellen», ist sich Handelsfachmann Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) sicher.

Viele Händler hätten sehr große Schwierigkeiten, aus der Fülle von Neuentwicklungen die richtigen Systeme auszuwählen. «Überall gibt es etwas Neues. Vieles hört sich ganz spannend an, manches abstrus», beschreibt Hudetz die derzeitige Lage.

Wer schon einmal mit drückenden Skischuhen auf der Piste gestanden hat, wird einen auf der Düsseldorfer Messe vorgestellten «3D-Fußscanner» begrüßen. Aus rund 600 000 zuvor eingescannten Schuhmodellen kann der Computer nach der genauen Vermessung der Füße und Waden das passende Paar auswählen. Im Einsatz sei das rund 15 000 Euro teure Gerät bereits bei einer großen Sporthandelskette, berichtet Thomas Harmes vom Duisburger Anbieter Mifitto.

Einmal im Computer, sollen die Kunden ihre ganz persönlichen Größendaten auf einer Chipkarte mit nach Hause nehmen können. Auch der nächste Online-Einkauf werde damit einfacher, verspricht Harmes. Übertragbar sei das System auch auf die Lieblings-Jeans, deren Passform für den nächsten Einkauf gespeichert werden könne.

Mobile Kassen sollen das lästige Anstellen zum Bezahlen überflüssig machen. Bezahlt werden könne damit künftig direkt beim Berater im Laden - bei Bedarf auch mit Bargeld, berichtet Winfried Nolte vom Paderborner Hersteller Wincor Nixdorf.

Eher gewöhnungsbedürftig für viele Nutzer dürfte dagegen ein «intelligenter» Snack-Automat sein, der nach Darstellung des Herstellers seine Kunden kennt. Das bis zu 8000 Dollar (7000 Euro) teure Gerät könne sich die Vorlieben seiner Nutzer merken und passende Vorschläge für weitere Produkte machen.

Digitale Schaufenster können dagegen Passanten gezielt ansprechen und versuchen, sie in den Laden zu locken. Nach Geschäftsschluss tut es auch ein Hinweis auf den rund um die Uhr geöffneten Online-Shop des Händlers.

Die zunehmende Digitalisierung birgt nach Ansicht von Hudetz aber auch mögliche Datenschutzprobleme: «Wir wollen die Vorteile. Auf der anderen Seite finden viele die Vorstellung, dass ein Unternehmen so viel über einen weiß, nicht so angenehm.»