Digitaler Buchmarkt: Geschmeidige Übergänge

«Busenwunder» und «Wenn das der Führer sähe» - für Skeptiker sind die E-Book-Titel, mit denen der Digitalverlag «Frankly» zur Leipziger Buchmesse startet, ein gefundenes Fressen. Digitale Buch-Veröffentlichungen haben den Ruf, etwas für Hobby-Autoren und seichte Themen zu sein.

Digitaler Buchmarkt: Geschmeidige Übergänge
Jens Büttner Digitaler Buchmarkt: Geschmeidige Übergänge

Beim Digitalverlag «feelings», der zu Droemer Knaur gehört, geht es tatsächlich nur um das eine: «die Liebe», sagt Programmleiterin Eliane Wurzer. Bei «Frankly» nicht, so Verleger Robert Merkel. Hinter beiden Titeln verberge sich anspruchsvolle Literatur. «Busenwunder» sei eine intellektuelle Graphic Novel, «Wenn das der Führer sähe» ein aufwendig recherchierter Doku-Roman. «Beide Bücher sind weit davon entfernt, das zu sein, was man vor vielen Jahren klassisch mit E-Books verbunden hat», sagt Merkel.

Klassisch in Verbindung gebracht wird mit E-Books das Selfpublishing. Die Produktionskosten sind so gering, dass Plattformen jedem die Veröffentlichung seines eigenen Buches anbieten können. Nach Angaben der Selfpublishing-Plattform «Books on Demand» ist mittlerweile jedes zweite E-Book in Deutschland selbstverlegt - Tendenz steigend. Auch bei «Frankly» kann jeder veröffentlichen, wobei Merkel daneben gezielt auf Autorensuche gehen will. «feelings» richtet sich nicht an Selbstverleger, allerdings sucht sich der Verlag seine Autoren auch auf der hauseigenen Selfpublishing-Plattform «neobooks».

Beate Kuckertz, die Gründerin des E-Book-Verlags «dotbooks», will sich von der Szene der Selfpublisher klar abgrenzen. Ein kuratiertes Programm und verlegerische Leistungen seien ihr wichtig, sagt sie auf der Buchmesse. «Man sollte das Selfpublishing nicht unterschätzen», sagt dagegen der Blogger und Internetexperte Sascha Lobo, der eine Plattform zum Kaufen und Lesen von E-Books betreibt. Die Übergänge zwischen Hobby-Autor und Profis oder zwischen Selfpublishern und Verlagsautoren seien geschmeidig.

Geschmeidig ist auch der Übergang von digitalen zu gedruckten Angeboten. «feelings» ist ein reiner Digitalverlag. Allerdings bekämen regelmäßig Autoren die Chance, ihren Roman bei Knaur als Taschenbuch zu veröffentlichen, sagt Programmleiterin Wurzer. «dotbooks» verspreche seinen Autoren, einen Lizenzpartner für eine Printausgabe zu finden, sagt Kuckertz.

Auch bei «Frankly» gibt es zum Start nur E-Books. Nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels machte der Verkauf von E-Books 2014 allerdings nur 4,3 Prozent des Umsatzes am Publikumsmarkt aus. «Wir wissen auch um den Wunsch der Autoren, ein Werk auch in Händen zu halten», sagt Merkel. «Frankly»-Autorin Constanze Wilken, die zuletzt Romane beim Goldmann Verlag veröffentlicht hat («Die Tochter des Tuchhändlers»), will definitiv weiter auch in Print erscheinen. Merkel kann sich daher vorstellen, auch gedruckte Bücher zu verkaufen. Ihm schwebt aber eher ein Druck auf Bestellung vor - genauso handhaben es die Selfpublishing-Plattformen.

Am Ende gehe es nicht um Digital versus Print, sagt Wolfgang Farkas vom Berliner Digitalverlag «Shelff». Es werde weiter Romane geben, die Leser im Hardcover in den Händen halten wollen, sagt auch der Geschäftsführer des Deutschen Literaturinstituts Leipzig, Claudius Nießen. Daneben passiere auf Blogs junger Autoren viel Literatur, die im literarischen Bewusstsein nicht stattfinde, sagt Nießen. Dafür brauche es ergänzende Formen. Gerade für kurze Texte könne sich ein digitales Format eignen. «Gedruckt sehen 100 Seiten doch aus wie ein nicht ganz ausgewachsenes Buch», sagt Nießen. Er ist selbst «Frankly»-Autor und im Aufsichtsrat der Life Media Group, die hinter dem Digitalverlag steht.

Farkas kann sich etwa vorstellen, einen Roman nicht nur in Textform, sondern auch mit Bildern und Videos zu erzählen. Ein E-Book müsse außerdem inszeniert werden, sagt Sascha Lobo. Ein gedrucktes Buch im Laden sei immer auch Werbung für sich selbst. Ein fertiges E-Book dagegen sei nur eine digitale Datei, ergänzt Farkas. Es sei dann da, aber das «weiß erst einmal niemand».