Dilma Rousseff: Krisenmanagerin mit Widerstandserfahrung

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff kennt sich mit Widerstand gut aus. Die 65-Jährige ging während der Militärdiktatur (1964-1985) in ihrem Land selbst auf die Straße, kämpfte für Meinungsfreiheit, gegen Korruption und Unterdrückung.

Dilma Rousseff: Krisenmanagerin mit Widerstandserfahrung
Sebastiao Moreira

Sie war aktiv im Widerstand, wurde 1970 festgenommen, gefoltert und über zwei Jahre lang inhaftiert.

Rousseff äußert Verständnis für die aktuellen Proteste - aber nur für friedliche. Denn Brasilien ist schon lange keine Diktatur mehr, sondern eine Demokratie. «Brasilien ist heute stärker aufgewacht», sagte sie diese Woche noch nach der ersten massiven Protestwelle. Es sei gut, junge Menschen für ein besseres Brasilien streiten zu sehen.

Seit ihrem Amtsantritt im Januar 2011 ging sie im Kabinett selbst gegen Korruption vor. Viele Minister mussten wegen Korruptionsvorwürfen gehen. In einigen Fällen beschleunigte die Staatschefin effizient die Abgänge. Ihr erklärtes Motto beim Thema Korruption; «Tolerância zero» (Null Toleranz). Nun aber sieht sie sich mit Massenproteste konfrontiert, die genau das einfordern.

Im Oktober 2010 wurde sie als erste Frau zur Präsidentin Brasiliens gewählt. Die Mutter einer Tochter und Großmutter war 2009 an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Sie ließ den Tumor entfernen und Chemotherapien über sich ergehen. Rousseff stand die Krankheit durch - auch das brachte der Tochter bulgarischer Einwanderer Sympathien ein.

Rousseffs Nähe zu ihren Vorgänger und Mentor Luiz Inácio Lula da Silva ist bekannt. Bis zu ihrer Wahl hatte «Lulas Mädchen» in der zweiten Reihe gewirkt. Sie arbeitete sich als Regionalministerin und als Energie- und Bergbauministerin in Brasília hoch. 2005 holte Lula sie als Kabinettschefin und rechte Hand an seine Seite. Längst ist sie aber aus dem Schatten ihres Ziehvaters herausgetreten. 2014 steht sie vor Präsidentenwahlen.

Eines ihrer Hauptziele ist die Armutsbekämpfung. Rousseff weitete die Sozialhilfe aus und hob den Mindestlohn mehrfach an. Jüngst litten aber ihre Beliebtheitswerte. In einer Umfrage von Anfang Juni - wenige Tage vor Beginn der aktuellen Proteste - stellten sich 71 Prozent der Befragten hinter die Präsidentin. Im März waren es noch 79 Prozent gewesen.