Dilma Rousseff - von der Guerillakämpferin zur ersten Frau im Staat

Es ist ein vielsagender Beiname, den Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff inoffiziell trägt: «Traktor».

Dilma Rousseff - von der Guerillakämpferin zur ersten Frau im Staat
Sebastiao Moreira

Im Vergleich zu ihrem Vorgänger, Luiz Inácio Lula da Silva, fehlen der durchsetzungsstarken Linkspolitikerin Charisma und Volksnähe. Stattdessen gilt Rousseffs Politikstil als technokratisch.

Mit harter Hand geht sie gegen korruptionsverdächtige Minister vor. «Tolerância zero» (Null Toleranz) erklärte Rousseff dazu. Im Oktober 2010 wurde sie als ersten Frau zur Präsidentin Brasiliens gewählt. Die 65-Jährige ist zweifach geschieden und hat eine Tochter.

Dass «Dilma», wie sie im fünftgrößten Land der Erde auch genannt wird, kämpfen kann, weiß ganz Brasilien. Sie war Mitglied der Guerilla, die gegen die Militärdiktatur (1964-1985) kämpfte, wurde 1970 festgenommen, gefoltert und über zwei Jahre lang inhaftiert.

2009 erkrankte die Tochter bulgarischer Einwanderer an Lymphdrüsenkrebs. Sie ließ den Tumor entfernen und Chemotherapien über sich ergehen, zeitweise trat sie mit Perücke vor die Kameras. Rousseff stand die Krankheit durch, das brachte ihr Sympathien ein.

Bis zu ihrer Wahl hatte «Lulas Mädchen» in der zweiten Reihe gewirkt. Sie arbeitete sich als Regionalministerin und als Energie- und Bergbauministerin in Brasília hoch. 2005 holte ihr Ziehvater Lula sie als Kabinettschefin und rechte Hand an seine Seite.

Eines ihrer Hauptziele ist die Armutsbekämpfung. Rousseff weitete die Sozialhilfe aus und hob den Mindestlohn an. Jüngst litten aber ihre Beliebtheitswerte. In einer Umfrage von Anfang Juni - wenige Tage vor Beginn der aktuellen Proteste - stellten sich 71 Prozent der Befragten hinter die Präsidentin. Im März waren es noch 79 Prozent. Die Umfrage des IBOPE-Instituts wurde am Mittwoch veröffentlicht.