Diskussion um die Aussagen von Siegfried Mundlos

Kinderlieb und fürsorglich, von Ausländerfeindlichkeit keine Spur - so beschreibt Siegfried Mundlos die NSU-Hauptangeklagte Beate Zschäpe. Nebenklageanwälte sprechen von Realitätsverlust.

Nach der kontroversen Aussage von Siegfried Mundlos ist es im NSU-Prozess zu Diskussionen über die Deutungshoheit gekommen: Während Opferanwälte den Auftritt des Vaters von Uwe Mundlos kritisierten, sahen die Verteidiger von Beate Zschäpe positive Aspekte für ihre Mandantin.

Der Vater des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos gab erneut dem Verfassungsschutz eine Mitschuld daran, dass sein Sohn in die rechte Szene abgeglitten ist. Rechte Konzerte und Demonstrationen wären «so nicht möglich gewesen, wenn nicht eine finanzielle Unterstützung vom Verfassungsschutz gegeben worden wäre».

Von Beate Zschäpe zeichnete Mundlos ein durchweg positives Bild. Sie habe sich «rührend» um das Kind seiner Cousine gekümmert, dessen Vater aus Bulgarien kam. «Von Ausländerfeindlichkeit habe ich nicht etwas gespürt», sagte Mundlos. Er habe sie anfangs äußerlich eher der linken Szene zugeordnet und gehofft, sie könnte einen positiven Einfluss auf seinen Sohn haben, der schon Anfang der 90er Jahre in Springerstiefeln und Bomberjacke herumlief. Ähnlich hatte - einige Verhandlungstage zuvor - auch die Mutter von Uwe Böhnhardt erzählt, dass sie sich gefreut habe, als ihr Sohn mit Beate Zschäpe zusammen kam.

Opferanwälte kritisierten, Mundlos' Aussage sei geprägt durch das Bemühen, «jede Verantwortung für die Straftaten des NSU von seinem Sohn abzuwehren». Wenn er seinen Sohn in eine Reihe mit den Opfern des NSU stelle, werde deutlich, «dass er jeden Bezug zur Realität verloren hat», sagte Nebenklageanwalt Alexander Hoffmann. Dies sei einem verzweifelten Vater zuzugestehen, müsse sich aber auf die Bewertung der Zeugenaussage auswirken.

Zschäpes Verteidigerin Anja Sturm betonte hingegen, Mundlos habe bekundet, was er mitbekommen habe: Er habe Zschäpe als «freundliche, sehr kinderliebe Person geschildert».

Nebenklageanwalt Thomas Bliwier entgegnete, es habe auch Lagerkommandanten in KZs gegeben hat, «die durchaus kinderlieb waren, fürsorgliche Familienväter, die zum Zeitvertreib Häftlinge erschossen haben». Bliwier hält die Angaben des ehemaligen Informatikprofessors auch deshalb für wenig aussagekräftig, weil Siegfried Mundlos von der politischen Entwicklung seines Sohnes nicht viel mitbekommen habe.

Im Gegensatz zu der spannungsreichen Befragung am Vortag, als Siegfried Mundlos den Vorsitzenden Richter beleidigt hatte, war die Atmosphäre am zweiten Tag eher ruhig und sachlich. Zum Schluss der Vernehmung sagte Mundlos, es tue ihm leid, «dass in der Presse unser persönliches Verständnis als der Hauptinhalt von gestern dargestellt wird». Der Zeuge hatte Richter Manfred Götzl als «Klugscheißer» bezeichnet.

Am Freitag will das Gericht eine ehemalige Nachbarin des Zwickauer Terror-Trios per Videoübertragung vernehmen. Die 91-Jährige, die aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Gericht erscheinen kann, könnte Beate Zschäpe vom Vorwurf des versuchten Mordes entlasten. Dabei geht es um die Brandstiftung in der Zwickauer Wohnung des «Nationalsozialistischen Untergrund» (NSU) nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Dem NSU werden unter anderem zehn Morde und zwei Sprengstoffattentate zugerechnet.