DIW erwartet keine großen Rückschläge für Europa

In Griechenland stehen im Januar vorgezogene Neuwahlen an. Dem angeschlagenen Euroland könnte ein Rückfall in alte Krisenzeiten drohen - befürchten Beobachter. Wie groß sind die Risiken für Europa?

DIW erwartet keine großen Rückschläge für Europa
Christoph Schmidt DIW erwartet keine großen Rückschläge für Europa

DIW-Chef Marcel Fratzscher sieht trotz der angespannten politischen Lage in Griechenland keine erheblichen Gefahren für Europa. «Ich erwarte keinen signifikanten Rückschlag für Europa durch die politische Krise in Griechenland», sagdas hoffe te der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) am Montag auf dpa-Anfrage. «Viele andere Krisenländer in Europa sind auf einem guten Weg, haben wichtige Reformen umgesetzt und sehen erste wirtschaftliche Erfolge.»

In Griechenland finden am 25. Januar vorgezogene Wahlen statt. Dies ist Folge des Scheiterns der Wahl eines neuen Staatspräsidenten durch das Parlament. Umfragen zufolge kann das Linksbündnis Syriza unter seinem Chef Alexis Tsipras stärkste Kraft werden. Tsipras lehnt die Spar- und Reformpolitik der Regierung und der internationalen Geldgeber ab.

Fratzscher sieht in einer möglichen Regierungsübernahme der Linken in Griechenland nach den vorgezogenen Neuwahlen sogar Chancen. «Das politische Erdbeben durch eine mögliche Regierungsübernahme durch Syriza könnte zwar kurzfristig Kosten haben, jedoch auch einen notwendigen Neuanfang für das Land herbeiführen.»

Griechenlands politische Krise sei notwendig und unvermeidbar gewesen, sagte Fratzscher. «Die Leistung der griechischen Regierungen in den letzten fünf Jahren war erschreckend schlecht. Die griechischen Regierungen haben vor allem versucht ihre politische Macht und wirtschaftlichen Pfründe zu sichern, nicht jedoch Reformen umzusetzen und ihr Land zukunftsfähig zu machen.»

Syriza könnte zwar einige Reformen rückgängig machen, als Regierung würde das Linksbündnis jedoch verstehen, dass Griechenland auf den Euro und auf Europas Hilfe angewiesen sei, sagte Fratzscher.

Analyst Christoph Weil von der Commerzbank sieht das Land zwar vor einem politischen Gezeitenwechsel: «Doch nicht alles wird auf den Kopf gestellt werden». Syriza dürfte im Parlament auf die Stimmen anderer Parteien angewiesen sein. Sie werde radikale Forderungen daher kaum eins zu eins umsetzen können. Zudem werde auch die neue Regierung wird nicht ohne die Hilfe der Staatengemeinschaft auskommen.