DJV wirft Seehofer Missachtung der Pressefreiheit vor

CSU-Chef Horst Seehofer steht nach seinem Wutausbruch über ein WDR-Kamerateam in der Kritik - wegen angeblicher Missachtung der Pressefreiheit. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte den bayerischen Ministerpräsidenten am Dienstag scharf. Politiker müssten sich im Dienste der Demokratie auch unbequemen Fragen stellen, erklärte Michael Konken, der Chef der Journalistengewerkschaft.

DJV wirft Seehofer Missachtung der Pressefreiheit vor
Andreas Gebert DJV wirft Seehofer Missachtung der Pressefreiheit vor

SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher forderte eine Entschuldigung Seehofers für seine «wiederholten Fußtritte gegen die Pressefreiheit». Seehofer will aber nicht klein beigeben, sondern beim WDR-Intendanten Tom Buhrow vorstellig werden.

Das WDR-Team hatte am Freitag am Rande einer CSU-Wahlveranstaltung in Würzburg ein Interview mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm führen wollen, die das aber ablehnte. Stamm fühlte sich von dem Kamerateam bedrängt - was der Reporter Stephan Stuchlik jedoch verneint. Als Stamm Seehofer informierte, sagte der verärgerte Parteichef anschließend vor Journalisten der «Main Post», das gehe so nicht - «die müssen raus aus Bayern». Seehofer betonte am Dienstag, es gehe nicht um Pressefreiheit: «Da bin ich wahrscheinlich der Großzügigste und Toleranteste in der aktuellen Politik», sagte er dem Bayerischen Rundfunk.

DJV und SPD sind anderer Meinung. «Mit diesen Äußerungen fällt Horst Seehofer erneut als jemand auf, der die Pressefreiheit missachtet», sagte Konken. «Auch die CSU in Bayern muss sich kritischen Fragen stellen und kann nicht einfach Journalisten rauswerfen, die ihr nicht passen», sagte SPD-Fraktionschef Rinderspacher.

Die CSU wies die Kritik zurück und macht nun ihrerseits Druck auf den WDR. «Der DJV sollte nicht die Tatsachen verdrehen», erklärte ein Parteisprecher. «Es geht nicht um die Recherchen von "Monitor" in Bayern, sondern um das unangemessene Auftreten des Teams.» Eine Reihe von Personen habe das miterlebt. «Der CSU-Vorsitzende wird zur Klärung dieses Vorfalls den Intendanten des WDR einschalten.»

In den vergangenen Monaten war Seehofer mehrfach mit Journalisten aneinandergeraten. Das ZDF musste sich im Mai entschuldigen, weil es im «heute-journal» behauptet hatte, FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß sei aus einem CSU-Werbefilm herausgeschnitten worden - was laut CSU nicht stimmte. Der langjährige CSU-Sprecher Hans Michael Strepp wiederum hatte im Oktober 2012 seinen Posten geräumt, nachdem er laut ZDF versucht hatte, Einfluss auf die TV-Berichterstattung über den bayerischen SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude zu nehmen.