DLR-Chef: Raumfahrt ist unumgänglich für moderne Gesellschaft

Trotz der Finanzkrise wirbt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln mit Nachdruck für die Forschung im All.

«Raumfahrt ist Infrastruktur, die unumgänglich ist für unsere moderne Gesellschaft», sagte DLR-Chef Prof. Johann-Dietrich Wörner in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Moskau. Experimente etwa auf der Internationalen Raumstation ISS lieferten unerlässliche Hinweise für das Leben auf der Erde, zum Beispiel für Telekommunikation, Navigation, Medizin oder Umwelt.

«Im Zentrum stehen die biomedizinischen Untersuchungen mit dem Menschen», sagte der studierte Bauingenieur. «Das ist für mich tatsächlich der zentrale Grund, warum es Sinn macht, in der ISS Menschen zu haben.» Die ISS in rund 400 Kilometern Höhe sei zudem ein hervorragender Beobachterposten, um besser ins Weltall zu schauen. Dies helfe etwa dabei, Antiteilchen zu identifizieren und dunkle Materie zu verstehen. Als erster deutscher Astronaut seit Februar 2008 soll Alexander Gerst 2014 zum Außenposten der Menschheit fliegen und mehrere Monate dort arbeiten.

«Wir haben mit der ISS auch gelernt, wie man im Weltraum große Konstruktionen zusammenbaut. Wenn man später weitere Ziele angeht, dann wird man sicherlich nicht alles auf der Erde zusammenbauen», meinte Wörner. Die USA und Russland, aber auch die Europäische Weltraumagentur Esa, planen in Zukunft Flüge zu Mond und Mars.

Gut 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges gebe es kein Gegeneinander mehr im All, sagte Wörner. «Damals gab es ordentlich Geld dafür, dass das eine oder andere Land seine Eitelkeiten ausspielen konnte. Heute sind wir in einer kooperativen Phase und versuchen, möglichst Dinge zusammenzubringen aus vielen verschiedenen Ländern.» Als Beispiel nannte Wörner das Projekt ExoMars, bei dem die Europäische Raumfahrtagentur Esa gemeinsam mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos auf dem Roten Planeten nach Spuren von gegenwärtigem oder früheren Leben suchen will.

Das DLR beteilige sich aber nicht aktiv am Weltraumtourismus, sagte Wörner. «Es gibt ein Bedürfnis in der Bevölkerung, auch mal ein Stückchen in den Weltraum zu schnuppern. Aber wir haben kein Geschäftsmodell und machen da auch nichts», erläuterte der DLR-Vorstandsvorsitzende. Falls sich das Geschäft mit kommerziellen Flügen ins All ausweite, könne Deutschland aber sicher seine «Kompetenz etwa im medizinischen Bereich» einbringen.