Doch neue Stromleitungen gebaut: Verwunderung über Netzagentur

Ist die Bundesnetzagentur bei der Steuerung des Stromnetz-Ausbaus voll im Bilde? Mehrere Übertragungsnetzbetreiber berichten über Fortschritte - der Agenturchef hatte zuvor noch Stillstand gemel

Doch neue Stromleitungen gebaut: Verwunderung über Netzagentur
Federico Gambarini Doch neue Stromleitungen gebaut: Verwunderung über Netzagentur

Entgegen den Angaben der Bundesnetzagentur wurden im laufenden Jahr über 50 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen gebaut. In Ostdeutschland kamen 22 Kilometer hinzu, teilte der Betreiber 50Hertz am Mittwoch auf Anfrage mit. Zudem stellte der Betreiber Amprion die 30 Kilometer lange Strecke Grafschaft-Sechtem in Nordrhein-Westfalen fertig.

Bundesnetzagentur-Chef Jochen Homann hatte gesagt, 2013 sei von den Projekten des Ausbauprogramms EnLAG kein einziger neuer Leitungskilometer tatsächlich gebaut worden - die Behörde steuert und kontrolliert den Netzausbau in Deutschland. In Fachkreisen wurde Verwunderung über Homanns Aussagen geäußert.

Der Agenturchef hatte betont, dass weiterhin nur 268 Kilometer des auf 1855 Kilometer vordringlichen Bedarf veranschlagten Programms umgesetzt seien. Das Programm läuft seit 2009 - unabhängig vom neuen Netzausbau-Beschleunigungsprogramm, das drei große Nord-Süd-Trassen mit 2800 Kilometern Länge in den nächsten zehn Jahren vorsieht.

In Deutschland gibt es vier Übertragungsnetzbetreiber, die für das Netz der besonders leitungsstarken Höchstspannungstrassen zuständig sind. Im Bereich des ostdeutschen Betreibers 50Hertz wurden rund 20 Kilometer im zweiten Abschnitt der sogenannten Südwest-Kuppelleitung gebaut. Der Abschnitt nach Altenfeld in Thüringen ist insgesamt 59 Kilometer lang. Zudem wurden zwei Kilometer auf deutscher Seite bei der Netzverstärkung der Leitung Vierraden (Uckermark) - Krajnik (Polen) von 220 auf 380 Kilovolt gebaut, hieß es.

Der Betreiber Tennet betonte, dass im laufenden Jahr auf der Strecke Hamburg/Nord - Dollern erste Bauarbeiten begonnen hätten.
Der Betreiber TransnetBW betonte, es seien in seinem Gebiet mehrere Kilometer an neuen Leitungen gebaut worden oder befänden sich kurz vor Abschluss der Arbeiten - beispielsweise das EnLAG-Projekt Neckarwestheim - Mühlhausen. Eine Sprecherin verwies jedoch auf eine Definitionsfrage: «Diese Projekte beziehungsweise Kilometer werden erst dann als neue Leitungen "gezählt", wenn nach Abschluss der Bauarbeiten auch noch die Inbetriebnahme erfolgt ist.»

Insgesamt wird bei den im Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen (EnLAG) definierten Vorhaben für 2014 mit einer deutlichen Bauzunahme gerechnet.