Doppelmord bei Paris: Hollande spricht von «Terrorakt»

Während der Fußball-Europameisterschaft ist der Terror nach Frankreich zurückgekehrt. Ein wegen Terrorismus vorbestrafter Mann, der sich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berief, brachte im westlichen Umland von Paris einen Polizisten und dessen Partnerin um.

Doppelmord bei Paris: Hollande spricht von «Terrorakt»
Christophe Petit Tesson Doppelmord bei Paris: Hollande spricht von «Terrorakt»

Dies sei «zweifellos ein Terrorakt», sagte Präsident Hollande. Die Opfer seien «feige von einem Terroristen ermordet worden».

Premierminister Manuel Valls verwies auf die Bedrohung in Frankreich und weltweit: «Wir sind im Krieg gegen den Terrorismus», sagte er. Demokratische Werte würden angegriffen. Frankreich werde die EM, die Spiele und die Fanmeilen weiter schützen, versicherte er.

Der Angreifer hatte am Montagabend einen 42 Jahre alten Kriminalkommissar vor dessen Haus erstochen und sich dann im Gebäude verschanzt. Als Spezialkräfte das Haus gegen Mitternacht stürmten und den Mann erschossen, fanden sie die Leiche der Lebensgefährtin des Polizisten, Sekretärin in einem Kommissariat. Der dreijährige Sohn blieb unversehrt, stand aber unter schwerem Schock.

Die Attacke genau sieben Monate nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November fällt mit der Fußball-Europameisterschaft zusammen, die aus Furcht vor Anschlägen massiv geschützt wird. Weder französische Politiker noch die Polizei haben jedoch bisher einen Zusammenhang zwischen der Attacke und dem Fußballturnier hergestellt.

Innenminister Bernard Cazeneuve sprach von einem «abstoßenden Terrorakt». Bei den Ermittlungen gehe es auch darum, mögliche Komplizen zu finden. Seit Jahresanfang hätten Anti-Terror-Ermittler mehr als 100 Verdächtige festgenommen.

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft zog den Fall aufgrund des Vorgehens, des Ziels und der Äußerungen des Täters an sich, wie der Deutschen Presse-Agentur aus Justizkreisen bestätigt wurde. Der Mann habe sich bei Verhandlungen mit der Polizei während der Geiselnahme zum IS bekannt.

Die von der Terrormiliz als Sprachrohr genutzte Nachrichtenagentur Amak schrieb unter Verweis auf eine nicht näher spezifizierte Quelle, der Täter sei Kämpfer des IS gewesen. Bei der Attacke auf den Polizisten in der Gemeinde Magnanville soll der Mann laut Augenzeugen «Allahu akbar» («Gott ist groß») gerufen haben, wie «Le Parisien» berichtete.

Der Angreifer war wegen Terrorismus vorbestraft. Es handele sich um einen 25-jährigen Franzosen, der 2013 zu drei Jahren Haft verurteilt worden sei, berichteten die Zeitung «Le Monde» und der Sender Europe 1 übereinstimmend. Dabei ging es um ein Netzwerk, das Dschihadisten ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet brachte. Der Mann sei wegen «krimineller Vereinigung zur Vorbereitung von Terrorakten» schuldig gesprochen worden.

Frankreich war im vergangenen Jahr mehrfach Ziel islamistischer Terroranschläge, denen insgesamt 149 Menschen zum Opfer fielen. Die schwerste Anschlagserie ereignete sich am 13. November, als IS-Terroristen im Pariser Musikclub «Bataclan», am Stade de France sowie in Bars und Restaurants der Hauptstadt 130 Menschen ermordeten.

Vor der Fußball-EM hatten Behörden immer wieder auf die hohe Terrorgefahr in Frankreich hingewiesen. Nach übereinstimmenden Angaben gab es aber keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne gegen das Turnier.

Nach dem jüngsten Massaker in einem vor allem von Homosexuellen besuchten Club in der US-Großstadt Orlando hatte Amak ebenfalls behauptet, der Täter gehöre zu der Terrororganisation. Auch dort hatte sich der Todesschütze im Kontakt mit der Polizei zum IS bekannt.