Drama-Finale um Froome auf dem Mont Ventoux

Erst lief Chris Froome verzweifelt den Mont Ventoux hinauf, dann versuchte er auf einem viel zu kleinen Ersatzrad Schlimmeres zu verhindern - ohne Erfolg. In einem dramatischen Finale hat der Vorjahressieger sein Gelbes Trikot bei der 103. Tour de France verloren.

Drama-Finale um Froome auf dem Mont Ventoux
Kim Ludbrook Drama-Finale um Froome auf dem Mont Ventoux

Der 31 Jahre alte Brite wurde kurz vor Schluss der verkürzten 12. Etappe in einen dramatischen Sturz verwickelt. Froome soviel Zeit, dass er die Gesamtführung an seinen Landsmann Adam Yates abgeben musste.

Nach den vorläufigen Ergebnissen liegt Froome nun 53 Sekunden als Gesamtsechster zurück. Der Sturz Froomes war wenige hundert Meter vor dem Ziel passiert. Ein TV-Motorrad musste stoppen, Richie Porte fuhr auf, Froome krachte rein. Es folgten dramatische Szenen. Froome rannte verzweifelt auf seinen Radschuhen Richtung Ziel, ehe er ein Ersatzrad gereicht bekam, das auch noch viel zu klein für ihn war.

Den Sieg am Nationalfeiertag der Franzosen auf der verkürzten Etappe von Montpellier auf den «kahlen Riesen» der Provence holte sich der Belgiers Thomas de Gent vor seinem Landsmann Serge Pauwels und dem Spanier Dani Navarro. Die deutschen Fahrer um Tony Martin, der am Freitag beim Zeitfahren zuschlagen will, hatten bei der Entscheidung auf 1435 Metern Höhe am Chalet Renyard nichts mitzureden.

Auch wenn wie erwartet wieder keiner der deutschen Fahrer auf dem legendären Berg triumphierte, wurde diese Etappe mit dem unglaublichen und denkwürdigen Ausgang von ihnen mitgeprägt. Noch immer ohne Sieg bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt, gehörte Greipel zu einer Ausreißergruppe, die sich kurz nach dem Start abgesetzt und phasenweise einen Vorsprung von über 18 Minuten auf das Hauptfeld mit Froome herausgefahren hatte.

Zu Beginn zählte auch Paul Voß zu den Ausreißern in der ersten Reihe, ein Reifenschaden warf ihn nach einigen Kilometern aber zurück. Dahinter versuchte das Team Etixx-Quick Step mit Tony Martin und Marcel Kittel ihren irischen Kollegen Daniel Martin nach vorn zu bringen.

Voß wurde rund 37 Kilometer vor dem Ziel gestellt, das wegen heftiger Winde nicht wie vorgesehen auf dem Gipfel des Mont Ventoux wartete. Tags zuvor sah sich die Rennleitung zu dem Schritt gezwungen. Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometer wären für alle Beteiligten zu gefährlich gewesen. Selbst im Tal am Fuße des «kahlen Berges» war der Wind mehr als spürbar. Und noch immer blieb ein über neun Kilometer langer Anstieg auf den Mont Ventoux auf dem um sechs Kilometer verkürzten Teilstück.

Bereits auf dem Weg zum Ventoux war es zu einem Schreckmoment für Froome nach einem Sturz von Simon Gerrans bei einem Tempo von 56,3 Stundenkilometern etwa 27 Kilometer vor dem Ziel gekommen. Ein Sky-Teamkollege von Froome war dabei ebenfalls zu Fall gekommen. Der Brite stoppte, die Gruppe mit Gesamtsieg-Rivale Nairo Quintana attackierte nicht und wartete, bis Froome mit seinen Wasserträgern sie wieder erreicht hatte.

Weiter vorn fuhren der eigentlich für seine Sprintqualitäten bekannte und berühmte Greipel und Co. noch immer mit knapp zehn Minuten Vorsprung. Und auf einmal zog der 33-Jährige sogar davon, fuhr drei Kilometer mit knappem Vorsprung ganz vorneweg. Nach dem Kraftakt ging nicht mehr viel, Greipel wurde von den Mitausreißern eingeholt und fiel weiter zurück.

Dafür kam die Zeit für die Attacken ums Gelbe Trikot. 6,2 Kilometer löste sich Alejandro Valverde auf der Froome-Gruppe. Der Teamkollege von Herausforderer Nairo Quintana wurde nach gut einem Kilometer gestellt, und schon versuchte es Quintana selbst, Froome und dessen starkes Sky-Team herauszufordern, während der drittplatzierte Martin zu schwächeln begann. Aber nur zaghaft probierte es der Kolumbianer und konnte letztlich nichts ausrichten, ehe Froome im Stakkatotritt nun erstmals selbst attackierte. Aber nicht lange, der Sturz zerstörte Froomes Rennen, sorgte für hitzige Diskussionen und eine neue Hackordnung an der Spitze.