Drama Nürburgring-Unfall: Startverbot für GT3

Nach dem schockierenden Unfall-Tod eines Zuschauers bei einem Langstreckenrennen auf dem Nürburgring hat der Deutsche Motorsport-Bund vorerst ein Startverbot für die GT3-Rennwagen auf der legendären Nordschleife verhängt.

«Wir können und wollen nach einem Unfall dieser Art nicht zur Tagesordnung übergehen», sagte DMSB-Generalsekretär Christian Schacht in einer Pressemitteilung. Die Sicherheit der Teilnehmer und insbesondere der Zuschauer müsse oberste Priorität haben.

«Daher müssen wir die Details zum Unfallhergang analysieren, über notwendige Konsequenzen beraten und diese dann umsetzen. Erst danach können Fahrzeuge mit ähnlichen Leistungsdaten wie das Unfallfahrzeug wieder auf der Nordschleife zum Einsatz kommen», betonte Schacht. Trotz des vom Weltverband FIA vorgeschriebenen Fangzaunes war am Samstag beim hochkarätigen Rennen auf der Nordschleife ein Auto in die Zuschauer geflogen und hatte einen 49 Jahre alten Niederländer getötet.

Zwei weitere Zuschauer wurden bei dem beängstigenden Unfall verletzt. Auch der britische Nissan-Pilot Jann Mardenborough, der im Strecken-Abschnitt «Flugplatz» die Kontrolle über seinen Boliden verloren hatte, musste im Krankenhaus behandelt werden. Er und die beiden verletzten Zuschauer konnten das Hospital wieder verlassen, teilte Mardenboroughs Rennstall am Sonntag mit. Der Fahrer sei weiter sehr bestürzt über die Ereignisse.

Der Nissan-Rennstall sprach von einer «Tragödie». Es sei «unfassbar traurig, dass heute ein Zuschauer sein Leben bei unserer Leidenschaft verloren hat», schrieb Mercedes-Fahrer Jan Seyffarth, der bei dem Rennen von der Pole Position gestartet war. «Mir fehlen immer noch die Worte», bekannte DTM-Champion Marco Wittmann von BMW. Der frühere Formel-1-Weltmeister Jenson Button twitterte aus dem fernen Malaysia: «Motorsport ist großartig, aber kann so grausam sein.»

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Koblenz begannen schon am Samstag mithilfe eines Gutachters mit den Ermittlungen zum genauen Unfallhergang. Der Unfallwagen wurde von der Polizei sichergestellt.

Das Drama hatte sich knapp eine Stunde nach dem Start ereignet. Bilder zeigen, wie das Auto mit der Nummer 23 kurz vor einer Rechtskurve komplett abhebt, sich in der Luft praktisch senkrecht aufstellt und dann gegen einen Reifenstapel kracht. Von dort flog der Wagen offenbar über den FIA-Sicherheitszaun in die Zuschauer. Das Rennen wurde sofort abgebrochen und nicht wieder gestartet.

Die auf vier Stunden angesetzte «61. ADAC-Westfalenfahrt» sollte den beteiligten Werksteams verschiedener Hersteller auch zur Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring Mitte Mai dienen. In der 38-jährigen Historie der Serie hatte es zuvor nie Unfälle gegeben, bei denen Zuschauer verletzt wurden.

Von der Sofort-Entscheidung des DMSB dürften maßgeblich auch die kommenden Rennen auf der Nordschleife betroffen sein. Die werksunterstützten Wagen von Aston Martin, Audi, Bentley, BMW, Mercedes und Nissan fallen in die vorläufig gesperrte Kategorie. Ihr Start am 12. April beim Qualifikationslauf für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring (16./17. Mai) ist nun mehr als fraglich.

Der Brite Mardenborough gilt als talentierter Rennfahrer. Er startete seine Karriere dank der GT Academy von Nissan, bei der über virtuelle Autorennen auf der Spielekonsole die Fähigkeiten junger Fahrer getestet wurden. Mardenborough setzte sich dabei gegen tausende Gegner durch und durfte danach bei Langstreckenrennen mitfahren. Für diese Saison erhielt er bei Nissan einen Vertrag als Werksfahrer in der Langstrecken-Weltmeisterschaft und wurde von seinem Arbeitgeber auch für das 24-Stunden-Rennen in Le Mans Mitte Juni gemeldet.

Mardenborough habe alle notwendigen Lizenzen und Zulassungen gehabt, hieß es. Angesichts der ersten Bilder habe er wohl nicht mehr eingreifen können, als sein Auto Unterluft bekam und dadurch abhob.