Drama um deutsche Geiseln auf Philippinen

Die philippinischen Streitkräfte sind nach dpa-Informationen eingeschritten, um zwei deutsche Geiseln aus der Hand der islamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf zu befreien. Zuvor war ein Ultimatum der Entführer verstrichen.

«Ein Bataillon ist eingerückt», sagte ein Angehöriger der Streitkräfte, der anonym bleiben wollte. Er sprach von einer «einer Art Rettungsaktion».

Ein offizieller Sprecher der Streitkräfte wollte die Truppenbewegung zunächst nicht bestätigen. Ein weiterer Offizier jedoch untermauerte den laufenden Einsatz hinter vorgehaltener Hand.

Zuvor hatten die Entführer von einer möglichen Fristverlängerung um zwei Stunden gesprochen - aber nur, wenn jemand anrufe und das geforderte Lösegeld verspreche. «Wenn wir keinen Anruf erhalten, wird der deutsche Mann hingerichtet», sagte der Abu-Sayyaf-Sprecher dem örtlichen Rundfunksender DXRZ in der Stadt Zamboanga.

Das philippinische Militär hatte mehr als 3000 Soldaten auf die Insel Jolo verlegt, wo die Geiseln vermutet werden. Die Frist der Terrorgruppe war am Nachmittag (Ortszeit) abgelaufen.

Ein Sprecher von Abu Sayyaf hatte mehrmals damit gedroht, dass eine Geisel enthauptet werde, wenn die deutsche Regierung kein Lösegeld bezahle. Der 72-jährige Mann war im April zusammen mit seiner Partnerin während einer Segeltour westlich der Philippinen entführt worden.

Die Entführer der islamistischen Terrororganisation hatten vier Millionen Euro Lösegeld verlangt. Außerdem fordert sie, dass Deutschland seine Unterstützung des Kampfes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak einstelle.

Auf der Bundespressekonferenz in Berlin bestätigte das Auswärtige Amt, dass der Krisenbeauftragte Rüdiger König vor Ort sei. Der 57-jährige Diplomat solle «an allem teilnehmen, was dem Ziel dient, die beiden deutschen Entführten aus den Händen von Abu Sayyaf freizubekommen».

In den vergangenen Monaten waren die beiden Geiseln, die aus Hessen stammen, von den Entführern mehrfach vorgeführt worden. In Radio- und Videobotschaften flehten sie dabei um Hilfe.

Abu Sayyaf kämpft im muslimischen Süden der sonst überwiegend katholischen Philippinen für einen eigenen Staat. Die Gruppe hat dem radikalislamischen IS ihre Verbundenheit erklärt. Immer wieder erpresste sie in der Vergangenheit mit Hilfe von Geiseln Geld, um ihren Kampf zu finanzieren. Das Auswärtige Amt in Berlin rät, die Insel Mindanao wegen der Gefahr von Entführungen unbedingt zu meiden.

Nach Überzeugung der philippinischen Geheimdienste befinden sich noch zehn weitere Geiseln in der Hand von Abu Sayyaf. Vermisst werden zwei Vogelbeobachter aus den Niederlanden und der Schweiz sowie zwei Malaysier und ein Japaner. Im Juni hatte die Terrororganisation eine Philippinerin und eine chinesische Touristin freigelassen, die aus einer Hotelanlage entführt worden waren.

Die Extremisten verübten einige der schlimmsten Terroranschläge, die das südostasiatische Land in den vergangenen Jahrzehnten erlebte. Die Gruppe war im Jahr 2000 auch für die Entführung der deutschen Familie Wallert und 18 anderer Geiseln von einer Taucherinsel in Malaysia verantwortlich. Die Wallerts kamen erst nach mehr als drei Monaten frei, nachdem Millionen Dollar gezahlt worden waren.