Draxler für 35 Millionen Euro nach Wolfsburg

Mit der Last-Minute-Verpflichtung von Weltmeister Julian Draxler hat der VfL Wolfsburg den Transfer-Irrsinn in der Fußball-Bundesliga weiter vorangetrieben.

Am letzten Tag der Wechselfrist einigten sich der Vizemeister und der FC Schalke 04 auf den teuersten Einkauf der Wolfsburger Clubgeschichte. «Julian war unser Wunschspieler, und durch den Wechsel von Kevin De Bruyne konnten wir seine Verpflichtung jetzt realisieren», sagte VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs in einer Mitteilung der Wolfsburger.

Laut Medienberichten erhält Schalke rund 35 Millionen Euro - fünf mehr als einst für Nationaltorhüter Manuel Neuer. «Wir haben uns aus zwei Gründen dazu entschlossen, das Angebot des VfL Wolfsburg anzunehmen: Über die konkreten Ablösemodalitäten geben wir keine Auskunft, können aber sagen, dass wir wirtschaftlich die größte Einnahme erzielen, die je ein Transfer in der Geschichte unseres Clubs erbracht hat. Zudem kommen wir dem ausdrücklichen Wunsch von Julian nach, den Verein zu wechseln», sagte Schalke-Manager Horst Heldt in einer Mitteilung der Gelsenkirchener.

Damit pumpt der VfL fast die Hälfte des Geldes aus dem Rekordtransfer von Kevin De Bruyne wieder zurück in den Markt. Über die Dauer des Vertrags und die Höhe der Ablösesumme machten beide Vereine keine Angaben. In Wolfsburg toppt Draxlers Einkauf sogar noch die 32-Millionen-Euro-Verpflichtung von André Schürrle im Januar.

In Gelsenkirchen hinterlässt Draxlers Abgang hingegen enttäuschte Gesichter. Heldt hatte sich zuletzt noch vehement gegen einen Wechsel des Mittelfeldspielers gewehrt. Ein Angebot von Juventus Turin hatte er als viel zu gering abgewiesen. Durch den De-Bruyne-Transfer hatte der VfL indes keine Probleme, die Schalker Forderungen zu erfüllen.

Draxler, der vor zwei Jahren für eine spektakuläre Vertragsverlängerung bis 2018 bei den Königsblauen gesorgt hatte, soll in Wolfsburg den Belgier De Bruyne ersetzen. Dessen Bundesliga-Rekordwechsel für rund 75 Millionen Euro zu Manchester City steht selbst erst seit Sonntag offiziell fest und hatte am letzten Tag der Transferperiode noch einmal für geschäftiges Treiben in Wolfsburg und der gesamten Liga gesorgt.

«Der VfL Wolfsburg ist eine neue Herausforderung für mich. Ich möchte weiterhin auf Top-Niveau Fußball spielen. Der VfL bietet mir eine hervorragende Perspektive und hat eine äußerst starke Mannschaft», wurde Draxler zitiert. «Ich freue mich auf die Champions League mit dem VfL und will hier in den kommenden Jahren um Titel mitspielen.»

Auch der Wechsel von Bayern Münchens Dante wurde am Montag von den Wolfsburgern bestätigt. Der Brasilianer unterzeichnete einen Dreijahresvertrag. Zudem holte der VfL noch das erst 17 Jahre alte Mittelfeldtalent Ismail Azzaoui von Tottenham Hotspur. Im Gegenzug stand Ergänzungsspieler Aaron Hunt vor einem Wechsel zum HSV.

Der spekaturlärste Deal war aber der von Draxler. Dadurch gehört der Nationalspieler nun selbst auch zu den teuersten Transfers in der bisherigen Bundesliga-Geschichte. Aufgrund dessen Tempo und der Qualitäten im Eins-gegen-Eins sieht VfL-Trainer Dieter Hecking in dem riesigen Talent offenbar den perfekten De-Bruyne-Ersatz.

Auf Schalke sind die Gefühle offenbar zwiegespalten. Unvergessen im Ruhrgebiet ist noch Draxlers Vertragsverlängerung im Mai 2013, als LKW-Anhänger mit dem Konterfei des Spielers und der Aufschrift: «Julian Draxler: Mit Stolz und Leidenschaft bis 2018» durch Gelsenkirchen gefahren waren. Es folgten allerdings zwei Jahre der Stagnation. Nach Verletzungen und Trainerwechseln erhofft sich das Schalker Eigengewächs in Wolfsburg nun den nötigen Impuls für seine Karriere. «Dieses enorme Potenzial muss er dauerhaft ausschöpfen, das erhoffe und erwarte ich mir schon», sagte Bundestrainer Joachim Löw dem «Kicker» über Draxler.

Nach den Abgängen von De Bruyne und Ivan Perisic für weitere rund 20 Millionen Euro zu Inter Mailand war Allofs auf den letzten Drücker noch zu viel Arbeit gezwungen worden. Den Wirbel hätte sich der Pokalsieger gerne erspart und De Bruyne gehalten.

«Uns wäre es lieber gewesen, wenn er geblieben wäre», bekannte Martin Winterkorn, Chef des VfL-Mutterkonzerns Volkswagen, in verschiedenen Medien. Die Wolfsburger müssen nun ohne den besten Liga-Scorer der vergangenen Saison den Beweis antreten, Bayern München Paroli bieten zu können, und die Herausforderung Champions League annehmen.