Drei Palästinenser nach Stichattacken getötet

Bei Messerattacken auf Israelis sind drei Palästinenser - unter ihnen eine Frau - erschossen worden. Eine Polizistin wurde im besetzten Westjordanland leicht verletzt.

Die anderen Angegriffenen - ein Polizist in Ost-Jerusalem und ein Siedler in Hebron - blieben unverletzt. US-Außenminister John Kerry will indes mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu voraussichtlich bei einem Treffen in Berlin nach einem Weg aus dem Konflikt suchen. US-Präsident Barack Obama zeigte sich äußerst besorgt über die jüngste Gewalt in der Region.

Im Osten Jerusalems griff ein 16-Jähriger in der jüdischen Siedlung Armon Hanaziv einen israelischen Polizisten mit einem Messer an. Der Attentäter wurde mit Schüssen getötet, wie der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Demnach blieb der angegriffene Polizist unverletzt.

In Hebron im besetzten Westjordanland griff eine Palästinenserin eine Polizistin mit einem Messer an und verletzte sie leicht. Die Beamtin erschoss die 17-jährige Angreiferin mit ihrer Waffe. Wenige Stunden zuvor hatte ein Siedler in Hebron einen 18-jährigen Palästinenser mit Schüssen getötet. Nach Darstellung des israelischen Militärsprechers Peter Lerner hat der junge Palästinenser den Siedler, der unverletzt blieb, mit einem Messer bedroht.

Palästinensische Quellen äußerten Zweifel an dieser Version des Hergangs. Aktivisten der palästinensischen Gruppe «Jugend gegen Siedlungen» stellten ein Video ins Internet, das zu zeigen scheine, wie israelische Soldaten nachträglich ein Messer neben den niedergeschossenen Palästinenser legen.

Das israelische Militär nahm wenig später einen palästinensischen Augenzeugen des Vorfalls fest und beschlagnahmte seine Video-Ausrüstung, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan. Auch der Koordinator von «Jugend gegen Siedlungen», Ahmed Amr, wurde vom Militär festgenommen.

Die Anschläge fügen sich in eine Serie palästinensischer Messerattacken auf Israelis, als deren Auslöser Streitigkeiten um den Tempelberg in Jerusalem gelten. Seit Monatsbeginn fielen der Gewalt sieben Israelis und 40 Palästinenser zum Opfer. Gut die Hälfte der getöteten Palästinenser waren Attentäter, die im Zuge ihrer Anschläge erschossen wurden. Die anderen starben bei Zusammenstößen mit dem israelischen Militär.

US-Außenminister Kerry will den israelischen Regierungschef Netanjahu kommende Woche zu einem Krisengespräch in Berlin treffen, wie Sprecher beider Politiker bestätigten. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte zuvor am Freitag mitgeteilt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Netanjahu am Mittwochabend empfangen werde.

Zuletzt hatte es erhebliche Spannungen zwischen Washington und Jerusalem über das Vorgehen der Israelis gegen Palästinenser gegeben. Das US-Außenministerium hatte von «exzessiver Gewaltanwendung» gesprochen und beiden Seiten Terrorakte vorgeworfen. Das Verhältnis von Obama und Netanjahu gilt seit langer Zeit als belastet.

Obama stellte aber erneut klar, dass Israel ein Recht habe, seine Bürger vor Messerattacken und Gewalt auf den Straßen zu schützen. «Alle müssen sich darauf konzentrieren, sicherzustellen, dass keine unschuldigen Menschen getötet werden», sagte er nach einem Treffen mit Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye am Freitag (Ortszeit). Zugleich müssten die Politiker beider Seiten jegliche Rhetorik meiden, die die Gewalt anzuheizen vermag.