Dresden gedenkt Zerstörung und erinnert an NS-Verbrechen

Mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen ist in Dresden an die Zerstörung der Stadt durch alliierte Bomber im Zweiten Weltkrieg erinnert worden.

Dresden gedenkt Zerstörung und erinnert an NS-Verbrechen
Oliver Killig Dresden gedenkt Zerstörung und erinnert an NS-Verbrechen

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) betonte bei einer Kranzniederlegung auf dem St.-Pauli-Friedhof, dass bei dem Gedenken an die rund 25 000 Todesopfer nicht vergessen werden dürfe, wer den Krieg herbeigeführt habe. Auf dem Friedhof liegen von Nazis ermordete Kinder osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen.

Ein Mahngang des Bündnisses Dresden Nazifrei führte an verschiedene Punkte der Stadt, an denen NS-Verbrechen begangen oder geplant worden waren. Mit einer Menschenkette, die am Abend die beiden Elbufer der Innenstadt verbinden sollte, wollte Dresden zudem ein Zeichen des Miteinanders gegen Krieg und Gewalt setzen.

Wer verstehen wolle, was am 13. Februar 1945 passiert sei und wie es dazu gekommen sei, müsse zuhören können, sagte Hilbert bei einem Bürgerdialog. Er wünsche sich, dass die Dresdner dies wieder mehr tun, meinte er mit Blick auf die Spaltung der Stadtgesellschaft nach über einem Jahr Pegida.

Eine Gedenkveranstaltung fand auch auf dem Äußeren Matthäusfriedhof, am Güterbahnhof Neustadt statt, von dem aus in der NS-Zeit Juden deportiert wurden. Eine weitere Veranstaltung gab es am Urnenhain Tolkewitz, wo sich eine Gedenkstätte für die Euthanasieopfer der NS-Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein befindet.

Dresden war eine Hochburg der Nationalsozialisten, die bei den Reichstagswahlen 1932 und 1933 in Sachsen besonders gut abschnitten. In der Elbestadt fand die erste Bücherverbrennung und die erste Ausstellung über «Entartete Kunst» statt. Mit dem Gang an die Tatorte in der Stadt will Dresden Nazifrei einer Mythisierung Dresdens als unschuldige Opferstadt entgegenwirken.

Wie in den vergangenen Jahren versuchten auch diesmal Rechtsextreme, das Gedenken zu missbrauchen. Einem Neonazi-Aufmarsch in einem Plattenbauviertel am Stadtrand stellten sich am Freitagabend Hunderte mit lautstarkem Protest entgegen. Die Polizei war mit neun Hundertschaften aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg im Einsatz.