Dresdner Semperopernball: Jubel und ernste Worte

Toleranz-Appelle und Glitzer-Jubiläum: Inmitten der durch Pegida entfachten gereizten Stimmung feiert in Dresden der Semperopernball sein Zehnjähriges.

Dresdner Semperopernball: Jubel und ernste Worte
Sebastian Kahnert Dresdner Semperopernball: Jubel und ernste Worte

Mit dem aktuell erweiterten Motto «Dresden jubelt und heißt die Welt willkommen» geben die Organisatoren die Richtung für das Jubiläum vor. Und sowohl Künstler als auch prominente Gäste stimmen am Freitagabend ein. 

«Dresden ist ein Symbol des Friedens und der Freiheit geworden und nicht offen für Ausgrenzung und Hass», betont Hollywoodstar Armin Mueller-Stahl, der einen Text des Dichters Erich Kästner über das 1945 verloren gegangene alte Dresden verliest. Die Stadt stehe für die Forderung «Nie wieder!», sagt der Schauspieler. «Und für dieses «Nie wieder» trägt jeder von uns Verantwortung. Alle.»

Weltoffenheit ist das Wort des Abends, immer wiederkehrend und gern wiederholt auch von den Moderatoren Gunther Emmerlich und Sophia Thomalla. Selbst der Präsident des Senegals, Macky Sall, mahnt, die Vielfalt der Kulturen zu achten, gegen Extremisten zusammen zu stehen, den Weg des Dialogs zu gehen, gemeinsame Werte zu teilen und Jeden in seinem Glauben anzunehmen. Er wird für seine Verdienste um die Versöhnung von Christen und Muslimen in seinem Land mit dem Ballorden geehrt. «Ich wünschte mir, unsere Gesellschaft wäre wie Musik - aus allen Quellen entsteht ein großes Ganzes», sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek, als Laudator. 

Zu den rund 2300 Gästen im weltberühmten Theatergebäude gehören auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière, Verlegerin Friede Springer, Maler Neo Rauch mit seiner Frau und Kollegin Rosa Loy sowie Boxer Arthur Abraham, der extra Tanzen gelernt hatte. Tausende Menschen feiern beim Open-Air-Ball und Temperaturen um den Gefrierpunkt auf dem Theaterplatz mit und schmettern mit Roland Kaiser den für Dresden umgetexteten Kaiserwalzer von Johann Strauss (Sohn).

Bunt wie die Roben - von afrikanisch bis orientalisch - ist auch das Programm: Klassische Oper und Dresdner Kreuzchor, spanischer Tanz und sibirische Klänge, russische Komposition und Afrika-Pop von Baaba Maal aus dem Senegal. Ganz traditionell drehen sich dann 100 Debütantenpaare im Dreivierteltakt, die Damen in goldenen Kleidern mit Glitzersteinen, bevor die Tanzfläche kurz für alle freigegeben wird. Um Mitternacht rockt dann der Kaiser für eine Stunde das Haus, der sich in dieser Stadt besonderer Beliebtheit erfreut. Er sorgt nach dem eher ernsten Auftakt für lockere Stimmung und für Ballatmosphäre in und vor dem Opernhaus.

Zuvor hatten auch Diskuswerfer Robert Harting, Trompeter Ludwig Güttler, Schauspieler Wolfgang Stumph sowie die Topmodels Naomi Campbell und Nadja Auermann ihren St. Georgs-Orden entgegengenommen. Allerdings rauscht Campbell, die nicht einmal ein Ballkleid angezogen hat, nach ihren vorgefertigten Dankesworten mit der Schatulle gleich wieder ab. 

Der Ballverein hatte angesichts der aktuellen Stimmung das ursprüngliche Motto «Dresden jubelt» für das rund 1,8 Millionen Euro teure Spektakel erweitert, um das Image einer weltoffenen Stadt zu vermitteln. Da hätte die Ehrung von Iris Berben für ihr Engagement gegen Rassismus und Ausgrenzung, für Toleranz und Demokratie bestens gepasst. Die Schauspielerin hatte jedoch im Vorfeld Zweifel, ob es der richtige Zeitpunkt für eine Reise nach Dresden sei - und sagte dann kurzfristig ab.