DTB wieder auf Trainersuche

Nach dem Ende des großen Trainer-Missverständnisses um Carsten Arriens muss sich der Deutsche Tennis Bund wieder einen neuen Männercoach suchen - und droht dabei in arge Zeitnot zu geraten.

Rund fünf Wochen vor dem Erstrunden-Spiel im Davis Cup gegen Frankreich setzte der Verband den glücklosen Teamkapitän vor die Tür. Offiziell trennten sich der DTB und der Frankfurter einvernehmlich. Wer Anfang März gegen den Vorjahresfinalisten auf der Bank sitzen wird, werde sich frühestens nächste Woche entscheiden, hieß es am Dienstag. Als Kandidaten werden Alexander Waske und Rainer Schüttler gehandelt.

Dass es zwischen Arriens und dem Verband um den neuen Präsidenten Ulrich Klaus zum Bruch kommen würde, war nach einer bemerkenswerten Posse bei den Australian Open abzusehen. Allerdings hätte der DTB gern das erste Fed-Cup-Spiel der Frauen in Stuttgart gegen Australien abgewartet.

«Ein trauriger Tag im deutschen Tennis!!!», twitterte Doppel-Spieler Andre Begemann und versah den Kommentar mit dem Hashtag #fassungslos. Letztlich war Arriens über die Causa Kohlschreiber gestürzt, als er in Melbourne ein Versöhnungsgespräch mit dem derzeit besten deutschen Spieler völlig überraschend platzen ließ. Der Augsburger wurde nach einem Zwist mit Arriens aus dem deutschen Team ausgeschlossen, jüngst sprach sich sogar Boris Becker für eine Begnadigung aus.

Kohlschreiber war von der DTB-Entscheidung zur Trennung überrascht, wie sein Trainer und Berater Stephan Fehske der dpa am Dienstag sagte. Der Weltranglisten-23. aus Augsburg wollte keinen Kommentar zu der Entwicklung abgeben, erstmal den Fed Cup abwarten und dann schauen, ob der DTB auf ihn zukommt. «Es ist natürlich unmöglich, die Nummer eins nicht im Team zu haben», hatte Becker im Hinblick auf den deutschen Davis-Cup-Start gegen Frankreich in Frankfurt betont.

Weder Arriens war zunächst zu erreichen, noch Waske oder Schüttler, die schon 2012 als Kandidaten für den Teamchefposten galten, diesmal aber noch bessere Aussichten haben dürften. Beide pflegen nämlich gute Beziehungen zu DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff, den neuen für den Leistungssport zuständigen Spitzenfunktionär im Verband. Der Hesse war früher Schüttlers Trainer und Berater.

Eigentlich hätte Hordorff auch das zerrüttete Verhältnis von Arriens und Kohlschreiber kitten sollen, als er beide in Melbourne an einen Tisch bringen wollte, um die Differenzen auszuräumen. Kohlschreiber hatte sich im Vorjahr beim Erstrunden-Sieg gegen Spanien geweigert, das letzte Einzel zu spielen, was für großen Unmut sorgte. Zu allem Überfluss eskalierte danach ein geplanter Versöhnungstag, als sich Trainer und Spieler gegenseitig der Lüge bezichtigten.

All das hätte bei den Australian Open ausgeräumt werden sollen, um Kohlschreiber wieder ins Team zu holen. Ein Schritt, den Arriens zu Jahresbeginn selbst angedeutet hatte. Dann aber ließ er Hordorff und Kohlschreiber vergebens warten. Der Druck sei zu groß geworden, sagte Verbandspräsident Klaus nun. In der DTB-Mitteilung wurde er zitiert mit den Worten: «Carsten Arriens hat es stets verstanden, mit seiner Persönlichkeit den DTB bestens zu repräsentieren.» Ein gutes Bild haben alle Akteure zuletzt allerdings nicht abgegeben.