Mehr im Geldbeutel dank niedriger Inflation

Die jüngsten Tarifabschlüsse bringen vielen Beschäftigten in diesem Jahr etwa drei Prozent mehr Geld. Das geht aus einer veröffentlichten Zwischenbilanz des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Demnach gibt es in knapp zwei Dritteln der diesjährigen Tarifrunden für größere Branchen inzwischen Abschlüsse. Die vorläufige Bilanz zeige, «dass die Tariflöhne auch in diesem Jahr in vielen Bereichen im Durchschnitt inflationsbereinigt spürbar steigen werden», sagte Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

Bereits zu Jahresanfang stiegen die Tarifgehälter in Deutschland deutlich stärker als die Verbraucherpreise. Einschließlich tariflich vereinbarter Sonderzahlungen kletterten die Verdienste im ersten Quartal 2015 um durchschnittlich 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Da die Verbraucherpreise nahezu unverändert blieben, dürfte von dem Plus auch unter dem Strich etwas übrig bleiben. Bei den Berechnungen flossen die jüngsten Abschlüsse mehrheitlich nicht mit ein.

Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Branchen. Am stärksten erhöhten sich die monatlichen Tarifverdienste im ersten Quartal im Bereich Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden mit 4,9 Prozent. Grund war eine Pauschalzahlung im März im Steinkohlebergbau. Im Gastgewerbe (plus 3,4 Prozent) wirkte sich den Angaben zufolge in den unteren Verdienstgruppen die Einführung des Mindestlohnes von 8,50 Euro zu Jahresanfang aus. Am geringsten fiel das Plus in der Luftfahrt sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen aus (jeweils plus 0,4 Prozent).

Die jüngsten Abschlüsse der diesjährigen Runden reichen bei unterschiedlichen Laufzeiten von 2,1 Prozent im öffentlichen Dienst der Länder bis zu 3,4 Prozent in der Metallindustrie und 3,6 Prozent im Steinkohlenbergbau. Noch offen sind unter anderem die Tarifrunden im Einzelhandel, im Groß- und Außenhandel und in der Papierindustrie.