Dumoulin gewinnt Giro-Auftakt in Apeldoorn

Das Warten hat nach schier endlosen 213 Tagen ein Ende: Tom Dumoulin hat mit einem Heimsieg zum Auftakt des 99. Giro d'Italia dem deutschen Radrennstall Giant-Alpecin den ersten Saisonsieg beschert und damit das erste Rosa Trikot erobert.

Dumoulin gewinnt Giro-Auftakt in Apeldoorn
Bas Czerwinski Dumoulin gewinnt Giro-Auftakt in Apeldoorn

Unterstützt von mehreren hunderttausend Landsleuten am Straßenrand fuhr der 25 Jahre alte Niederländer im 9,8 Kilometer langen Zeitfahren in Apeldoorn in 11:03 Minuten die schnellste Zeit und lag damit hauchdünn vor dem zeitgleichen Slowenen Primoz Roglic. Dritter wurde sechs Sekunden zurück Andrey Amador.

Eine starke Leistung lieferte auch der deutsche Topsprinter Marcel Kittel ab, der in 11:14 Minuten überraschend Fünfter wurde. Läuft es für den 27-Jährigen nach Plan, könnte er am Sonntag sogar die Gesamtführung zu übernehmen. Dafür müsste Kittel auf den beiden kommenden Flachetappen in Nimwegen und Arnheim vorne dabei sein. Die ersten Drei einer Etappe erhalten Zeitgutschriften von zehn, sechs und vier Sekunden.

Im Mittelpunkt am Freitag stand aber Dumoulin. Was ihm im vergangenen Jahr beim Auftaktzeitfahren der Tour de France misslungen war, holte er nun beim Giro nach. Aber es war eine enge Entscheidung, ehe König Willem-Alexander gratulieren durfte. Dumoulin, der im vergangenen Jahr immerhin Sechster bei der Vuelta wurde, zählt sich aber nicht zu den Kandidaten auf den Gesamtsieg. Sein Ziel sei eine Medaille, möglichst die goldene, im olympischen Einzelzeitfahren.

Der Jubel im Lager von Giant-Alpecin war jedenfalls groß, denn die Saison 2016 war von vielen Rückschlägen begleitet. Insbesondere der schwere Trainingsunfall im Januar, als eine Britin mit ihrem Van sechs Fahrer des Teams, darunter auch Klassiker-Spezialist John Degenkolb, regelrecht abgeräumt hatte. Erst am 1. Mai hatte Degenkolb bei Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt sein Renn-Comeback gegeben.

«Wir wissen alle, was passiert ist. Das hat den Sport in den Schatten gestellt. Wir sind froh, dass alle überlebt haben. Wir müssen akzeptieren, dass wir nicht vorne mitfahren konnten», sagte Teamchef Iwan Spekenbrink der Deutschen Presse-Agentur. Trotzdem ist er für die nächsten Wochen und Monate zuversichtlich: «Die guten Fahrer sind wieder da. jetzt kommt das Niveau zurück und auch die Erfolge.»

Ruhe kehrt bei Giant-Alpecin aber derzeit nicht ein. Seit Tagen gibt es Spekulationen um einen Abschied von Degenkolb zum Saisonende. Spekenbrink hofft auf einen Verbleib des letztjährigen Gewinners der Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo und Paris-Roubaix. Sollte es anders kommen, habe der Vertrag mit Hauptsponsor Alpecin aber weiter Gültigkeit. «Wir machen keinen Vertrag, wo die Sponsoren die Fahrer selektieren können. Natürlich reden wir mit den Sponsoren und erklären ihnen unseren Plan», sagte der Teamchef, der schon im vergangenen Jahr Topsprinter Kittel ziehen lassen musste.

Kittel fährt inzwischen für Etixx-Quickstep und ist mit bislang acht Saisonsiegen der erfolgreichste Radprofi 2016. Am Samstag soll Sieg Nummer neun hinzukommen, wenn es voraussichtlich zum ersten großen Duell mit Dauerrivale André Greipel kommt. Auf dem zweiten Teilstück über 190 Kilometern von Arnheim nach Nimwegen warten keine großen Schwierigkeiten auf die Sprinter, sodass mit einer Massenankunft zu rechnen ist. Der Giro ist noch bis Sonntag im Gelderland zu Gast, ehe es anschließend zurück nach Italien geht.