Dumoulin gewinnt Tour-Zeitfahren - Martin ohne Chance

Für ihn sollte nur der Sieg zählen - am Ende war Tony Martin bitter enttäuscht. Beim ersten Zeitfahren der 103. Tour de France konnte der deutsche Meister die eigenen hohen Erwartungen nicht erfüllen und musste Rang neun akzeptieren.

Dumoulin gewinnt Tour-Zeitfahren - Martin ohne Chance
Yoan Valat Dumoulin gewinnt Tour-Zeitfahren - Martin ohne Chance

In den Kampf um den Sieg konnte der dreimalige Weltmeister zu keiner Zeit eingreifen. Martin hatte gegen den Tagessieger Tom Dumoulin (50:15 Minuten) keine Chance. Auch als Zweiter kam Chris Froome (51:18) seinem dritten Toursieg einen entscheidenden Schritt näher. Der britische Radprofi baute seinen Vorsprung im Gelben Trikot erheblich aus: Froome liegt im Gesamtklassement 1:47 Minuten vor dem Niederländer Bauke Mollema und 2:45 vor Landsmann Adam Yates.

Martin, der bei der Tour bisher drei große Zeitfahren gewonnen hatte, brauchte auf dem schweren Parcours bei starkem Wind 52:20 Minuten. Wegen der tragischen Ereignisse in Nizza hatte es am Vormittag am Start in Bourg-Saint Andéole eine Schweigeminute gegeben, auch bei der Siegerehrung gedachten die Fahrer den Opfern des Anschlags.

Auch Froome fuhr am Sieg vorbei, konnte aber seinen Vorsprung gegen seine direkten Konkurrenten Mollema, Yates und Nairo Quintana um rund zwei Minuten ausbauen. Nach den chaotischen Vorfällen auf dem Mont Ventoux wollte es der Brite allen zeigen. Das Bild, wie er in aller Verzweiflung sogar zu Fuß in Richtung Ziel unterwegs war, wird in der Tour-Historie verankert bleiben.

Der Mann im Gelben Trikot verpasste zwar seinen zweiten Etappensieg. Trotzdem war er neben Dumoulin der großer Gewinner am Freitag. Der Niederländer feierte nach 37,5 Kilometern seinen zweiten Etappensieg. Zuvor hatte Dumoulin die Königsetappe in den Pyrenäen in einem denkwürdigen Solo bei Hagel und Regen gewonnen. Größter Verlierer des Tages war der vor der Tour als härtester Froome-Widersacher gehandelte Kolumbianer Nairo Quintana. Der Movistar-Kapitän verlor über zwei Minuten auf Froome.

Martin nahm seine bittere Niederlage relativ gefasst auf. «Natürlich ist die Enttäuschung groß. Ich wollte um den Sieg mitfahren, klar. Aber ich war nach der anstrengenden Ventoux-Etappe ganz schön leer. Wir müssen jetzt nach den Gründen suchen, warum es nicht so lief - auch im Hinblick auf Rio», sagte Martin im Ziel.

Wie allen anderen im Tourtross hatten auch ihm die Nizza-Tragödie zugesetzt: «Ich habe die Breaking-News beim Frühstück erfahren und war unglaublich traurig. Die Anspannung für den Wettkampf war erstmal weg und ich habe an die Lieben zu Hause gedacht.» Etappensieger Dumoulin hätte auch eine Absage des Zeitfahrens akzeptiert: «Fürs Fortsetzen und Aussetzen gab es gute Argumente - das war heute ein Rennen unter ganz besonderen Umständen», erklärte der Niederländer und zeigte seine Freude nicht.

Klassikerjäger John Degenkolb, der sich am Samstag in Villars Les Dombes oder am Montag in Bern Chancen auf einen Etappensieg ausrechnet, will auf den eingeplanten Besuch seiner Familie zum Tour-Finale auf den Champs Elysées in Paris verzichten. Eigentlich sei der letzte Tourtag «immer etwas ganz besonderes. Aber unter diesen Voraussetzung vielleicht nicht das beste Reiseziel für meine Frau und den Kleinen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Martin und sein Begleiter-Tross hatten im Vorfeld alles auf den 15. Juli und seinen angestrebten insgesamt sechsten Tour-Etappensieg ausgerichtet. Der 31 Jahre alte Wahlschweizer hatte extra etwa drei Kilogramm Körpergewicht reduziert und seine Sitzposition im Windkanal geändert. Aber an diesem Tag in der stürmischen Ardèche war nichts zu machen. Sein letzter großer Zeitfahrsieg datiert vom Mai 2015 er als bei der Tour de Romandie den Kampf gegen die Uhr gewonnen hatte.