«Ein Fest der Sinne» - Aufbruch im Buchheim-Museum

In leuchtend gelben Liegestühlen sonnen sich Besucher. Sie genießen den Park und die Aussicht auf den Starnberger See. Andere flanieren auf den Balkonen oder dem spektakulären Steg des Baus von Günter Behnisch.

«Ein Fest der Sinne» - Aufbruch im Buchheim-Museum
Maren Martell «Ein Fest der Sinne» - Aufbruch im Buchheim-Museum

Es herrscht Aufbruchstimmung im Museum Buchheim im oberbayerischen Bernried: «Wir haben Vorhänge entfernt, die Fenster von Folien befreit und Türen geöffnet, die vorher verschlossen waren», erläutert Sabine Bergmann, die noch zu Lebzeiten von Lothar-Günther Buchheim («Das Boot») in dem Haus tätig war.

Doch nicht nur dem Publikum will sich das «Museum der Phantasie» mehr öffnen. Buchheim hatte das Verleihen seiner Werke immer abgelehnt, und nur seine Sammlung sollte im Museum gezeigt werden. «Die von der Satzung der Buchheim Stiftung nun ermöglichte Kooperation mit anderen Institutionen eröffnet dem Museum und seinem neuen Leiter vielversprechende Perspektiven», betont der bayerische Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU). Die jetzt bis 5. Juli laufende Expressionismus-Ausstellung mit Werken aus der Sammlung des «Stern»-Gründers Henri Nannen in Emden sei ein beeindruckendes Ergebnis.

Da hängen jetzt in Bernried berühmte Bilder von Otto Mueller, Ernst Ludwig Kirchner oder Emil Nolde von beiden Sammlern zusammen. Im Gegenzug sollen Werke aus der Buchheim-Sammlung ab Herbst in Ostfriesland in der Kunsthalle Emden zu sehen sein (ab 26. September).

«In meinem Museum soll es sich rühren», hatte der streitbare, exentrische Kunstsammler und Schriftsteller Buchheim, der 2007 starb, einmal gesagt. Und dieses Motto hat sich Daniel Schreiber, seit Frühjahr 2013 Direktor des Museums, nun auch auf die Fahnen geschrieben. «Ich sehe uns in einem kontinuierlichen Umbauprozess. Wer zu uns kommt, soll sich wohlfühlen, soll ein Fest der Sinne erfahren.» Dazu gehörten auch Liegestühle und Angebote für Familien. «Ich habe keine Furcht, populär zu sein. Das sehe ich als Auftrag.»

Schreiber, der vorher in der Führung der Kunsthalle Tübingen, dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck oder dem Museum Frieder Burda in Baden-Baden tätig war, muss wieder mehr Besucher anlocken. Der Landesrechnungshof hatte in den vergangenen Jahren den Besucherrückgang moniert. Immerhin wurde der 38 Millionen D-Mark teure Bau mit Geld aus der Landeskasse finanziert.

Kamen in den ersten Jahren nach der Eröffnung 2001 noch bis zu 120 000 Menschen nach Bernried, waren es 2013 nur noch 56 000. «Ein Tiefpunkt, den wir schon überwunden haben», betont Schreiber: Im vergangenen Jahr seien rund 75 000 Besucher gekommen.

Träger des Museums ist die 1996 gegründete Buchheim Stiftung. Im Stiftungsrat sitzen viele CSU-Granden, darunter der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der das Museum politisch durchgesetzt hatte. Doch auch hier weht ein frischerer Wind. Mit der BR-Programmchefin Sabine Scharnagl, Nora-Eugenie Gomringer, Leiterin der Villa Concordia in Bamberg, und der Hochschulprofessorin Regine Keller sind nun Frauen in dem Gremium vertreten.

In der Fachwelt wird das Museum vielfach skeptisch beäugt, beherbergt es doch ein Sammelsurium aus Zirkuspferden, Porzellanfigürchen, Briefbeschwerern und afrikanischen Masken, gepaart mit den wertvollen Exponaten des Expressionismus. Für den neuen Leiter keine einfache Aufgabe. Der in München aufgewachsene Schreiber sieht aber gerade darin einen besonderen Reiz. Um Buchheims Sammlung besser kennenzulernen, hatte der 49-Jährige mit dessen Witwe Ditti vor deren Tod im vergangenen Jahr noch zahlreiche Gespräche geführt. Bis Ende dieses Jahres soll es noch vier große Sonderausstellungen geben.

Schreiber will auch das Potenzial des Museumsbaus mit seinen aus der Schiffsarchitektur entlehnten Elementen und den 3600 Quadratmetern Ausstellungsfläche mehr nutzen. Der Turm soll zum «Museum in den Wolken» umgestaltet werden. Im Raum der Zirkuswelt schwebt ihm ein «Labor der Phantasie» vor. In den  lichtdurchfluteten Fluren sollen die Sammlungsgeschichte und die Biografie Buchheims in einem «Musée sentimental» lebendig werden. Im Park steht seit vergangenen Sommer ein riesiger, bunt bemalter Helikopter. Auch hier plant Schreiber Veränderungen: «Da sollen noch mehr Kunst-Verrücktheiten Einzug erhalten, sogar der Ort Bernried könnte miteinbezogen werden.»