Ein guter Freund: Skisprung-Champion begeistert Altstars

Die großen Emotionen hatten sich bei Severin Freund schnell gelegt.

Ein guter Freund: Skisprung-Champion begeistert Altstars
Fredrik von Erichsen Ein guter Freund: Skisprung-Champion begeistert Altstars

«Ich bin nicht der Typ, dem jetzt ein Stein vom Herzen fällt, weil er etwas erreicht hat, wofür er jahrelang gearbeitet hat», stellte der erste deutsche Skisprung-Weltmeister seit 14 Jahren nach seinem Gold-Flug auf der Großschanze ganz cool fest. Die herausragende Bedeutung des WM-Titels, mit dem er sich endgültig in die Riege der Schanzen-Größen wie Jens Weißflog, Sven Hannawald und Martin Schmitt einreihte, erschloss sich ihm zunächst nicht. «Es wird etwas dauern, bis ich das alles erfasse», erklärte der introvertierte Bayer.

Der akribische Arbeiter ist endlich ganz oben angekommen. Danach sah es zu Beginn seiner Karriere nicht aus. «Es hat bei mir ein bisschen gedauert. Ich bin nicht mit 19, 20 Jahren durchgeschossen. Erst mit dem ersten Weltcupsieg habe ich gemerkt, dass für mich in dieser Sportart etwas möglich ist», berichtete er.

Das war 2011 in Sapporo. Danach ging es langsam, aber stetig bergauf. «Die letzten Jahre habe ich dazugelernt, wie viel möglich ist. Das macht natürlich sehr, sehr viel Spaß, wenn man sich immer wieder überbieten kann», sagte Freund. Er ist nun Team-Olympiasieger, Skiflug-Weltmeister und WM-Champion im Einzel und Mixed.

Damit steht der 26-Jährige auf einer Stufe mit den Altstars, an deren Erfolgen die Nachfolge-Generationen immer wieder gemessen werden. «Er hat in seiner Karriere Außergewöhnliches geleistet», lobte der viermalige Weltmeister Martin Schmitt, der 2001 in Lahti das bislang letzte Einzel-Gold für die deutsche Ski-Adler gewonnen hatte. «Es ist schön zu sehen, dass er über mehrere Jahre so eine Konstanz hat und Stück für Stück weitergekommen ist. 14 Weltcupsiege sind ja auch eine Hausnummer», sagte Schmitt der Deutschen Presse-Agentur.

Der einstige Vierschanzentournee-Triumphator Sven Hannawald stellte via Twitter fest: «Es gibt keinen Weltmeister, der es so verdient hat wie Severin Freund. Überragend.» Auch der dreimalige Weltmeister Jens Weißflog zog seinen Hut. «Innerhalb von zwei Jahren viermal Gold - das ist schon eine Nummer», sagte der 50-Jährige. Er erhofft sich für die Sportart durch die Falun-Erfolge eine «mediale Auffrischung. Das Interesse müsste jetzt eigentlich nach oben gehen.»

Für den Deutschen Skiverband ist Freund ein Glücksfall, denn der Skisprung ist eine Haupteinnahmequelle. «Wir leben von Sponsoren, Unterstützern, dem Fernsehen, wo die Einschaltquoten eine große Rolle spielen. Da ist es wichtig, so eine Figur wie ihn zu haben, der die Mannschaft mitreißt, in schwierigen Situationen den Sieg sichert und so dafür sorgt, dass die Sportart Woche für Woche im Fokus der Öffentlichkeit steht», lobte Generalsekretär Thomas Pfüller den Überflieger in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Der blieb auch im Gefühl des Triumphes bescheiden. Denn Abheben tut er nur auf der Schanze. So wie am Donnerstagabend, als er die Konkurrenz mit einem Vorsprung von mehr als 22 Punkten deklassierte. «Na klar ist es schön, wenn deine Arbeit Früchte trägt und mit Medaillen und Siegen belohnt wird. Ich bin dankbar für jeden Erfolg», erklärte Freund.

Der Student, der seit Jahren in festen Händen ist, liebt das und lebt fürs Fliegen. «Die Sportart gibt mir neben den Erfolgen so viel, dass ich um keine Minute trauere, die da hineingeflossen ist», sagte er.

Mittlerweile kann Freund auch bestens davon leben. Allein bei den Titelkämpfen in Falun hat er schon vor dem Team-Wettbewerb am Samstag, wo erneut Edelmetall möglich ist, mehr als 50 000 Euro verdient. Im Weltcup flossen in diesem Winter bereits knapp 130 000 Euro auf sein Konto.

Eine große Sehnsucht hat Freund trotzdem noch. «Der Gesamt-Weltcup ist für mich das Größte, was du gewinnen kannst. Ich hoffe, dass ich das in den nächsten Jahren noch verwirklichen kann», berichtete er. «Alles andere sind extrem schöne Momente, die es mir einfacher machen, mich im Sommer wieder zu quälen.»