Einheitsfeier in Stuttgart: «Heute lacht die Sonne»

Familientreffen bei einem Grünen: Nach 23 Jahren ist erstmals ein Politiker der Ökopartei Gastgeber der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit. Einen Unterschied macht das aber kaum.

Einheitsfeier in Stuttgart: «Heute lacht die Sonne»
Bernd Weißbrod Einheitsfeier in Stuttgart: «Heute lacht die Sonne»

Das Wetter in Stuttgart hätte nicht besser sein können. Bei strahlend blauem Himmel begrüßt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Donnerstagmorgen Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle. «Familientreffen» bei einem Grünen, eine Premiere am Tag der Deutschen Einheit.

Das traditionelle «Familienfoto» gibt es am Schiller-Denkmal. Da dürfen dann auch die Partner mit dazu. Danach geht es zum Ökumenischen Gottesdienst in die Stiftskirche.

Vor dem Altar veranschaulichen zwei Tänzer in weißen Gewändern Anziehung und Distanz. In fließenden Bewegungen finden Mann und Frau zueinander und stoßen sich wieder ab. Parallelen zum Zusammenwachsen der Deutschen im 23. Jahr der Einheit? Bürger berichten in den Lesungen über ihre Ausgrenzung etwa durch Arbeitslosigkeit und Behinderung und wie sie diese überwunden haben.

Auf der Straße begegnen den Politikern immer wieder auch Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 - mit gelben Luftballons und den bekannten Symbolen des Widerstands. «Oben bleiben» rufen sie. Bundespräsident Gauck geht auf darauf ein: Heute sei ein Tag, sich über das Gelungene zu freuen; doch natürlich gebe es auch immer Leute, die auf das Nichterreichte verwiesen. «Heute lacht aber die Sonne», fügt Gauck hinzu.

Kurz zuvor schüttelt der Bundespräsident der neunjährigen Julia die Hand. «Er hat gefragt, ob ich weiß, was heute gefeiert wird», erzählt sie stolz. Und dass sie es - «natürlich» - wusste, lobt Gauck mit einem «Gut!».

Rund 50 Leute von mehreren Chören aus Stuttgart, Heidelberg und Berlin singen einen Mix aus den Liedern «Kein schöner Land» und «Nkosi Sikelela» - einem bekannten südafrikanischen Lied und Teil der Nationalhymne des Landes. «Zwei Monate haben wir daran gearbeitet», sagt Abdourahime Diallo von den Organisatoren der Stiftung Partnerschaft mit Afrika. Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt klatschen und singen mit. Anschließend posiert der Präsident mit den Sängern für ein Foto. «Er hat gesagt, er würde gerne mitmachen, aber dann hätten seine Sicherheitsleute ein Problem. Daher wollte er wenigstens das Foto», erzählt Diallo hinterher. Das zeige, «dass er ein total spontaner Typ ist».

400 000 Besucher werden zum Fest in der Innenstadt erwartet. Sie können beispielsweise auf dem Schlossplatz einen Einblick in die Arbeit von Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung erhalten. Der baden-württembergische Landtag präsentiert sich ebenfalls in seinen unterschiedlichen Facetten. Auf der «Ländermeile» sind alle Bundesländer vertreten. Musikalisch gibt es vieles aus der Historie: mit den Prinzen, City, Culture Beat und Camouflage.