Einigkeit nach Mahnwache gegen den Terror: «Starkes Zeichen»

Vizekanzler Sigmar Gabriel hat die religions- und parteiübergreifende Mahnwache am Brandenburger Tor nach dem Terror von Paris als «starkes Zeichen» gewertet.

Einigkeit nach Mahnwache gegen den Terror: «Starkes Zeichen»
Maurizio Gambarini Einigkeit nach Mahnwache gegen den Terror: «Starkes Zeichen»

«Wir alle haben heute gemeinsam - und über Parteiengrenzen hinweg - gezeigt, dass wir uns vom Terror nicht in Angst versetzen oder auseinanderdividieren lassen», schrieb der SPD-Chef und Bundeswirtschaftsminister am Dienstagabend auf seiner Facebook-Seite.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte im ZDF-«heute journal», es sei wichtig gewesen, ein Zeichen zu setzen, dass die Terroristen keinen Erfolg damit haben, Hass und Zwietracht unter den Menschen und den Bevölkerungsgruppen zu säen. «Was wir brauchen, ist eine Solidarität mit der Mehrheit der Muslime, die sich mit den friedliebenden Zielen des Islam identifiziert und mit den Werten unserer offenen Gesellschaft ohnehin.»

Mit der Solidaritätsdemonstration hatten die Spitzen von Staat und Religionen am Dienstag ein Zeichen für ein friedliches Zusammenleben gesetzt. Bundespräsident Joachim Gauck rief alle Bürger unabhängig von Religion und Herkunft dazu auf, sich für Demokratie und Weltoffenheit einzusetzen. «Wir alle sind Deutschland», sagte Gauck. «Wir schenken Euch nicht unsere Angst. Euer Hass ist unser Ansporn.»

Etwa 10 000 Menschen waren nach Polizeiangaben zu der Mahnwache für ein «weltoffenes und tolerantes Deutschland und für Meinungs- und Religionsfreiheit» gekommen. Dazu aufgerufen hatte der Zentralrat der Muslime. Damit sollte der insgesamt 17 Terroropfer in Paris gedacht und islamfeindlichen Bestrebungen entgegengetreten werden. Am Montagabend hatte die anti-islamische Pegida-Bewegung in Dresden wieder 25 000 Menschen auf die Straße gebracht.

Der Politikwissenschaftler Klaus Schubert von der Universität Münster wertete die Mahnwache als Indiz für einen gesellschaftlichen Wandel. «Das bürgerschaftliche Engagement übernimmt die Führung und gibt der Politik eine Bühne», sagte er der dpa. «Die Aussage dahinter ist: Die wichtigen Dinge nehmen wir selbst in die Hand.»

An der Kundgebung, die mit einer Kranzniederlegung vor der französischen Botschaft am Pariser Platz begann, nahmen alle im Bundestag vertretenen Parteien teil, die Bundesregierung mit Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze, Bundestagspräsident Norbert Lammert, der französische Botschafter Philippe Etienne sowie Vertreter der jüdischen Gemeinde und der christlichen Kirchen. Auch der frühere Bundespräsident Christian Wulff war dabei, dessen Zitat von 2010 sich Merkel am Montag ausdrücklich zu eigen gemacht hatte: «Der Islam gehört zu Deutschland.»