Eissprinter Ihle und Schwarz mit Doppelerfolg

Die Umarmung von Claudia Pechstein genoss Nico Ihle nach dem historischen Rennen von Berlin ebenso wie die Ovationen des Publikums. Erstmals seit fast 24 Jahren haben die deutschen Eissprinter für einen Doppel-Erfolg im Eisschnelllauf-Weltcup der Herren gesorgt.

Der Chemnitzer Nico Ihle setzte sich im 1000-Meter-Rennen in 1:09,49 Minuten mit vier Hundertstelsekunden Vorsprung vor dem Berliner Samuel Schwarz durch. «Es ist der Wahnsinn. Ich kann es kaum glauben, dass ich wirklich der Schnellste war», schilderte Nico Ihle mit leuchtenden Augen seine Gefühle nach dem ersten Weltcup-Erfolg seiner Karriere. Schon bei Olympia hatten beide in Sotschi mit den Plätzen vier und fünf für Aufsehen gesorgt.

«Wir wollen immer gewinnen. Aber dann muss alles zusammenkommen, jedes Detail stimmen. Dass uns dies heute vor eigenem Publikum gelang, ist fantastistisch», stimmte Samuel Schwarz in den Jubel ein. «Ich bin auch total happy über Platz zwei», sagte der Lokalmatador.

Mit ihrem Triumph heizten die beiden Supersprinter die Aufbruchstimmung im Verband nach der Ernennung des neuen Sportdirektors Robert Bartko weiter an. Der frühere Rad-Profi wollte zwar nichts von einem «Bartko-Effekt» wissen, freute sich aber sichtlich über die Erfolge der Topsprinter bei seinem Einstand an der Eisbahn, bei dem er erstmals in seinem Leben auch die langen Kufen unterschnallte.

Den bislang einzigen Doppelerfolg deutscher Herren hatte es im März 1990 beim Weltcup-Finale in Heerenveen gegeben, als die Berliner Uwe-Jens Mey und Olaf Zinke auf die Plätze eins und zwei über 1000 Meter gesprintet waren. Damals waren sie rund fünf Sekunden langsamer als das Erfolgs-Duo Ihle und Schwarz.

Als Grundlage ihres Erfolges sehen die aktuellen Sprint-Asse das gemeinsame Training. «Das bringt uns gewaltig voran. Wenn ich sehe, Nico ist gut drauf, dann weiß ich: Jetzt kann auch ich mithalten», beschrieb Schwarz die Glücks-Situation für den Verband. Ihle hatte im sechsten Paar die Topzeit vorgelegt, die Schwarz wenige Minuten später wegen eines winzigen Wacklers in der Zielkurve nur knapp verfehlte. Die anderen Weltklassesprinter konnten da nicht mehr mithalten.

«Das einzige, was heute noch nicht gepasst hat, war, dass es kein WM- oder Olympia-Rennen war», scherzte Teamchef Helge Jasch. «Keine Frage, jetzt ist die WM-Medaille mein Ziel», verkündete Nico Ihle vier Tage nach seinem 29. Geburtstag selbstbewusst. Seine Frau und die zweieinhalbjährige Tochter Emma verfolgten auf der Tribüne das Rennen seines Lebens mit.

In der Team-Verfolgung kam der Berlin-Express mit Claudia Pechstein, Bente Kraus und Isabell Ost auf Platz fünf und blieb im Rahmen der Erwartungen. «Wir sind grundsolide gelaufen und waren schneller als in Obihiro, als es für Rang drei gereicht hatte. Am Schluss konnte ich mich aber nicht optimal auspowern», meinte Pechstein nach dem Erfolg von Olympiasieger Niederlande. Zuvor hatte Judith Hesse in 1:17,13 Minuten den elften Platz über 1000 Meter belegt. Einen prima Saisoneinstand feierte die US-Amerikanerin Brittany Bowe, die in 1:14,81 Minuten den Bahnrekord ihrer Teamgefährtin Heather Richardson nur um 0,3 Sekunden verfehlte.

Auf den 5000 Metern der Herren konnte Patrick Beckert aufgrund der Folgen einer Erkältung nicht an seine Top-Ergebnisse anknüpfen. «Er wollte aber unbedingt laufen, um Punkte für die Weltcup-Wertung zu holen. Er hat das gut gelöst», meinte Trainerin Gunda Niemann-Stirnemann. Auf Platz neun war der Erfurter bester Deutscher.