EM-Sieg: Queen gratuliert deutschen Vielseitigkeitsreitern

 Als die Queen zum dritten Doppel-Gold nacheinander gratulierte, grinste Michael Jung vergnügt. Der König der Vielseitigkeit bückte sich, damit Elizabeth II. ihm die erste von zwei Goldmedaillen um den Hals hängen konnte.

EM-Sieg: Queen gratuliert deutschen Vielseitigkeitsreitern
Pauline Von Hardenberg EM-Sieg: Queen gratuliert deutschen Vielseitigkeitsreitern

Die englische Königin plauderte kurz mit dem Ausnahmereiter und gratulierte dann per Handschlag. Wenige Minuten zuvor hatte die Queen erlebt, wie der 33 Jahre alte Reiter aus Horb das deutsche Quartett bei der Vielseitigkeits-EM im schottischen Blair Castle erneut zum Sieg geführt und seine Leistung mit zwei Titeln gekrönt hatte.

«Das ist unglaublich», kommentierte Jung und gab zu: «Im Parcours war es dieses Mal Nervenzittern.» Aber sein achtjähriges Pferd blieb trotz Problemen am Anfang ohne Abwurf und brachte die Führung sicher ins Ziel. So siegte Jung mit 33,50 Strafpunkten klar vor Sandra Auffarth (Ganderkesee) auf Opgun Louvo (42,60). 

«Das ist sensationell», rief Bundestrainer Hans Melzer, ehe er sich genüsslich den ersten Schluck Whiskey gönnte. «Mit so einem Ergebnis zu gewinnen, das ist unglaublich», sagte der Coach: «Alle sind null im Springen ohne Fehler geblieben, besser geht es nicht.»

Das Quartett mit Jung, Auffarth, Ingrid Klimke (Münster) auf Hale Bob und Dirk Schrade (Sprockhövel) auf Hop and Skip war so überlegen, dass es schon vor dem letzten Ritt von Jung als Sieger feststand und nur 122,70 Strafpunkte sammelte. «Wir sind alle überglücklich», sagte Klimke, die im Einzel Fünfte wurde. Zweite wurde die britische Equipe (1173,30) vor Frankreich (183,70).

Den Grundstein hatte Jung bereits vor dem Springen am Vortag im Gelände gelegt. Seine Vorstellung war trotz Dauerregens in den schottischen Highlands eine Demonstration seiner herausragenden Klasse. Mit dem erst achtjährigen Wallach Takinou, dem jüngsten Pferd im Wettbewerb, flog der 33 Jahre alte Titelverteidiger geradezu über die Hindernisse. So hatte er schon vor dem abschließenden Springen, das am Sonntag bei Sonnenschein stattfand, einen großen Vorsprung.

«Er ist ein sehr schnelles Pferd. Es fühlt sich einfach an, und er kämpft für den Reiter», lobte Jung seinen noch jungen Wallach: «Ich muss ihn deutlich mehr unterstützen, weil er noch nicht die Routine hat.» Begeistert war auch sein Vater und Trainer Joachim Jung. Der Senior schwärmte: «Da kommt auch am Ende noch Power - das ist Wahnsinn. Für das Alter ist das einfach gigantisch.» Der Coach gab allerdings auch zu: «Mit einem jungen Pferd ist man doch aufgeregter.»

Angeführt von Jung hat die auch bei Olympia und bei der WM siegreiche Mannschaft ihre sensationelle Serie verlängert und blieb im fünften Jahr in der Team- und Einzelwertung ungeschlagen. Das gab es in der Geschichte des Pferdesports noch nie. 

Ein wenig profitierte Jung im Einzel von den widrigen Umständen im Gelände, die Auffarths Ritt deutlich beeinträchtigt hatten. Das Problem war der Untergrund. «Der Boden war unglaublich tief», berichtete auch Klimke: «Das war wie mit Saugnäpfen unter den Füßen. Das hat Zeit gekostet.» So war es unmöglich für die spät gestarteten Auffarth und Klimke, die Richtzeit einzuhalten.